Die Forschung an embryonalen Stammzellen sorgt schon seit längerem für heftige Diskussionen. Wissenschaftler und Ethiker diskutieren dabei darüber, inwieweit der Mensch in die natürliche Entwicklung eingreifen darf – beispielsweise um die Weitergabe von Erbkrankheiten zu verhindern. Befeuert wurde diese Diskussion in den letzten Monaten zudem durch die Entwicklung der Crispr-Cas9 Genschere. Diese erlaubt es, extrem genaue Schnitte am Erbgut vorzunehmen – und das auch noch vergleichsweise einfach und kostengünstig. Seitdem können auch kleinere Labore an künstlichen Erbgutveränderungen forschen, was zu erheblichen Fortschritten auf dem Gebiet führte. Chinesischen Forschern ist es nun erstmals gelungen, Embryonen zu züchten, die immun gegen das HIV-Virus sind.


Eine natürlich vorkommene Mutation wird künstlich erzeugt

Dabei ließen sich die Forscher von einer Beobachtung aus den 1990er Jahren inspirieren. Damals wurde bei einigen Personen eine Mutation namens CCR5∆32-Allel entdeckt. Diese verhinderte, dass das HIV-Virus auf der Oberfläche der Zellen andocken komnte. Diese Menschen konnten sich dann nicht mit dem gefährlichen Virus infizieren. Forscher versuchen seither Medikamente zu entwickeln, die diesen Effekt nachahmen können – bisher aber noch ohne Erfolg. Die chinesischen Forscher konnten die Mutation hingegen nun mit Hilfe der Genschere künstlich nachbilden und so immune Embryonen zu züchten. Es handelt sich allerdings noch um reine Grundlagenforschung: Die Wissenschaftler arbeiten bewusst mit Embryonen, die nicht lebensfähig sind.


Es handelt sich um eine ethisch umstrittene Erbgutoptimierung

Dennoch wirft die Forschung der chinesischen Wissenschaftler auch ethische Fragen auf. Denn so gefährlich das HIV-Virus auch ist – es handelt sich natürlich nicht um eine Erbkrankheit. Die Forscher reparieren also nicht einen Gendefekt, sondern optimieren das eigentlich funktionierende Erbgut auf künstliche Art und Weise. Diese Erbgutoptimierung könnte dann in letzter Konsequenz auch für sogenannte Designer-Babys genutzt werden – also Nachwuchs mit speziell ausgewählten Erbinformationen. Die chinesischen Forscher argumentieren hingegen, dass man die technischen Möglichkeiten kennen müsse, um über ethische Grenzen diskutieren zu können. In der wissenschaftlichen Publikation ihrer Forschungsergebnisse lehnen sie die klinische Umsetzung der HIV-Immunisierung jedenfalls explizit ab.

Via: Interestingengineering

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