Im menschlichen Körper herrscht eine erstaunlich hohe Biodiversität. Die meisten Lebensformen finden sich dabei in unserem Darm: Er ist Heimat für etwa 100 Billionen Bakterien. Aber die Vielfalt in unserem Inneren nimmt ab. Es wird vermutet, dass dies vor allem an der westlichen Ernährung und Lebensweise liegt. Um die Vielfalt in unserem Körper zumindest teilweise zu erhalten, wollen Forscher einen ungewöhnlichen Weg gehen: Sie wollen eine große Kotbank aufbauen, in der Stuhlproben konserviert werden.


Bereits 11.000 Bakterienstämme isoliert

Hinter diesem etwas abstrus anmutenden Vorhaben steht das Projekt Global Microbiome Conservancy (GMC). Und die Forscher, die an dem Projekt beteiligt sind, meinen das durchaus ernst. Aus insgesamt 34 Ländern und insbesondere Kulturen, in denen noch kein allzu industrieller Lebensstil gepflegt wird, wollen die Forscher Stuhlproben sammeln, Bakterienstämme isolieren und genetische Analysen anfertigen. Bisher konnten die Forscher 11.000 Bakterienstämme aus insgesamt sieben Ländern sammeln.


Die Bakterien im menschlichen Stuhl steuern fast zwei Drittel zur Trockenmassen unserer festen Ausscheidungen bei, und es wird vermutet, dass sie eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheit haben. Die vom GMC gesammelten Stuhlproben sollen deshalb nicht nur analysiert, sondern auch konserviert werden, indem sie bei minus 190 Grad Celsius gelagert werden. Das Projekt erinnert an die Pflanzensamenbank Seed Vault, die sich im norwegischen Spitzbergen befindet.

Medizinischer Wer der Sammlung ist unklar

Der wissenschaftliche Wert einer solchen Sammlung ist bezogen auf Forschungsperspektiven unbestritten. Ob der Sammlung von Kotproben auch eine medizinische Bedeutung zukommen wird, ist noch unklar. Medizinisch belegte Heilungserfolge durch das Mikrobbionom im Bauch konnten bisher nur bei schweren Darmentzündungen mit dem Erreger Clostridium difficile nachgewiesen werden. Bei fortgeschrittenen Entzündungen ist die Flora im Darm der Patienten so geschädigt, dass nur eine sogenannte Fecal Microbiota Transplantation (FMT), also eine Kottransplantation, Heilung versprechen kann. Gegen andere Erkrankungen des Darms hilft die FMT nicht.

Und es bestehen ernstzunehmende Zweifel daran, dass die Forschung im Rahmen des GMC daran etwas ändern wird. „Für den Erkenntnisgewinn ist diese Bank ein tolle Sache, es gibt ja inzwischen viele Ansätze dieser Art, um das Zusammenspiel von Ernährung, Mikrobiom und Gesundheit zu erforschen“, so der Darmexperte Paul Enck von der Universität Tübingen. Dennoch sei das Mikrobiom im Darm viel zu komplex, als dass es einfach zu verstehen wäre, geschweige denn das gewonnene Wissen auch in der Praxis angewendet werden könne, erläutert der Experte weiter. Jüngste Forschungen haben gezeigt, dass einzelne Bakterienstämme für sich genommen ganz andere Auswirkungen auf Nahrungssubstrate haben als wenn sie in einer Lebensgemeinschaft mit anderen Bakterien leben. Im menschlichen Darm residieren zwischen 500 und 100 verschiedene Bakterienstämme. Daraus resultieren diverse mögliche Kombinationen, was die Erforschung des Zussammenspiels der einzelnen Bakerienarten sehr schwer macht.

via Science

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