In unserem Nachbarland besteht aktuell bereits eine Impfpflicht gegen drei verschiedene Krankheiten: Diphterie, Polio und Tetanus. Nach neuesten Plänen soll 2018 eine Erweiterung um 8 weitere Pflichtimpfungen stattfinden; die elterliche Entscheidungsfreiheit wird an dieser Stelle beschnitten.


Impfen
Foto: Spritze CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

In 8 Jahren mehr als 24.000 Masern-Infektionen – und 10 Tote

Die neuen Pflichtimpfungen, angeregt durch Frankreichs neuem Premierminister Edouard Philippe, betreffen die Krankheiten Masern, Hepatitis B, Grippe, Keuchhusten, Mumps, Röteln, Meningitis C und Pneumonie. Die Zeitschrift Le Parisien interviewte zu diesem Thema Gesundheitsministerin Agnès Buzyn, die sich auf die derzeitige Masern-Epidemie in Frankreich bezog: Zwischen den Jahren 2008 und 2016 gab es mehr als 24.000 Infektionen – 10 der Erkrankten starben, obwohl die einschlägigen Impfstoffe überall bereitstehen. Frau Buzyn sieht es als echtes gesundheitspolitisches Problem an, dass bislang nur die dreifache Impfpflicht besteht und die Masern-Vorbeugung weiterhin freiwillig ist.

41 % der Franzosen sehen Impfungen als nicht sicher an

Aktuell sind etwa 75 % aller französischen Kinder gegen Masern geimpft, weil ihre Eltern das so wünschten. Um jedoch eine Epidemie völlig auszuschließen, muss laut der Gesundheitsministerin eine Durchimpfungsquote von 95 % erreicht werden, die auf freiwilliger Basis offensichtlich nicht zustande kommt. Bei der Meningitis sieht Frau Buzyn ähnliche Probleme.


Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigt, dass die Franzosen besonders impfskeptisch sind: Die Forscher befragten mehr als 65.000 Menschen aus 67 verschiedenen Ländern, in Frankreich stimmten 41 % der Befragte nicht mit der Aussage »Impfungen sind sicher« überein. Zum Vergleich: Der globale Durchschnitt liegt in diesem Fall bei gerade mal 13 Prozent. Offiziell wird diese skeptische Haltung auf eine weit verbreitete Studie des britischen Arztes Andrew Wakefield zurückgeführt, der nach Veröffentlichung seiner als »gefälscht« angesehenen Ergebnisse die Zulassung verlor. Danach sollen in Impfdosen enthaltene Stoffe beispielsweise Autismus auslösen. Insgesamt handelt es sich um ein emotional aufgeladenes Thema, das in Frankreich noch lange für Furore sorgen wird – und das vielleicht auch in Deutschland bald schon wieder stark aufflammen könnte, falls hier ähnliche politische Entscheidungen gefällt werden.

Quelle: iflscience.com

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