Heute startet in Cape Canaveral die neue „Falcon Heavy“ Rakete von SpaceX. Aufgrund von Scherwinden wurde der Start auf frühestens 20:20 Uhr deutscher Zeit verschoben. An Bord der Rakete befindet sich nicht, wie bei diesen Teststarts normalerweise üblich, ein Betonklotz, sondern ein rot lackierter Tesla Roadster aus der Privatgarage von Elon Musk. Im Fahrersitz sitzt eine Puppe in einem SpaceX-Raumanzug, und aus dem Autoradio erklingt David Bowies Song „Space Oddity“ in einer Endlosschleife. Der Tesla dient dabei während des Tests sozusagen als Ersatz für kommerzielle Nutzlast. Die ganze Aktion mag sich ein wenig verrückt anhören, hat aber durchaus ernstzunehmenden Hintergründe und könnte die Raumfahrt revolutionieren. Wir verraten euch alles, was ihr über den Start der Falcon Heavy wissen müsst.


Falcon Heavy Marsmission
Die Falcon Heavy

1. Was macht diesen Raketenstart so besonders?

Die Falcon Heavy ist die momentan leistungsfähigste Rakete der Welt. Sie ist 70 Meter hoch und kann bis zu 64 Tonnen Nutzlast ins All befördern. Die nächstgrößere Rakete Delta IV Heavy vom Konkurrenten United Launch Alliance schafft etwa die Hälfte. Die Falcon Heavy hat insgesamt 27 Triebwerke in nebeneinander angeordneten Antriebsstufen der Falcon-9-Rakete. Die so entwickelte Antriebskraft entspricht den Turbinen von 18 Boeing 747. Der Start der Falcon Heavy kostet je Mission 90 Millionen Dollar – deutlich weniger, als es bei der Konkurrenz der Fall ist. Sollte sich die Rakete in den Tests bewähren, wäre sie damit die mit Abstand günstigste Möglichkeit, Fracht ins All zu befördern.

2. Wird der Test gutgehen?

Die größte Herausforderung beim Start der Falcon Heavy ist das simultane Zünden aller 27 Triebwerke. Außerdem wird die Rakete immensen Vibrationen widerstehen musste. Musk sieht die Erfolgschancen für den Testflug bei etwa 50:50. Da der erste Start der Falcon Heavy eigentlich für 2013 geplant war, ist SpaceX nun schon einige Jahre im Rückstand.


3. Was ist das Ziel der Testmission?

Die Falcon Heavy soll sich von derselben Abschussrampe, von der auch die Apollo-11-Mission und später die Flüge der Space Shuttles starteten, in die Luft erheben und den Tesla in ihrem Inneren in eine Erde-Mars-Umlaufbahn bringen. Wenn alles gut geht, wird der Tesla dann für ein paar Hundert Millionen Jahre auf dieser Bahn bleiben. Die drei Antriebsstufen der Rakete sollen derweil zur Erde zurückkehren und dort sicher landen, damit sie wiederverwertet werden können – ähnlich also wie bei der Falcon-9-Rakete von SpaceX.

4. Warum verwendet Musk einen Tesla Roadster als Nutzlast?

Bild: SpaceX

Eigentlich hat die Falcon Heavy Rakete wenig mit Teslas Elektroautos zu tun. Aber Musk nutzt die Testmission nebenher als Marketing-Gag – möglicherweise auch, um von den Problemen seines Elektroauto-Herstellers Tesla abzulenken.

Die Produktion des Tesla Model 3 ist weiterhin problembelastet und hinter dem Zeitplan. Die Präsentation der Tesla-Jahreszahlen für 2017, die morgen stattfindet, dürfte für Musk ein schwierigerer Termin werden als der Start der Falcon Heavy.

5. Was ist der Einsatzzweck der Falcon Heavy?

Kurz- bis mittelfristig wird die Falcon Heavy vor allem dem Transport von kommerzieller Fracht wie etwa Satelliten ins All dienen. Die deutlich höhere Nutzlast im Vergleich zur Konkurrenz würde es ermöglichen, größere und leistungsfähigere Satelliten ins All zu transportieren. Es wäre allerdings auch möglich, eine größere Zahl kleinere Satelliten zu transportieren und so Kosten zu senken.

Langfristig soll die Rakete aber für bemannte Flüge zum Mond und Mars genutzt werden. Dass Musk davon träumt, den roten Planeten zu besiedeln, ist ja nichts wirklich Neues. Die Falcon Heavy ist ein Zwischenschritt zur Verwirklichung dieses Traums.

SpaceX arbeitet bereits an einer noch größeren Rakete mit 30 Antriebseinheiten, die mit dem Space Launch System der NASA konkurrieren soll.

Der Start der Falcon Heavy im Livestream

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