Jeder dürfte sie schon einmal gesehen haben: Große landwirtschaftliche Flächen, die ausschließlich mit Mais oder Raps bepflanzt wurden. Umweltschützer sehen diese Entwicklung eher kritisch. Sie befürchten, dass durch die riesigen Monokulturen die Bodenerosion verstärkt wird. Außerdem bieten Raps und Mais nicht ausreichend Nahrung für Insekten. In Baden-Württemberg hat der NABU daher gemeinsam mit einigen Landwirten eine Alternative ausprobiert: Statt Mais wurden blühende Wildpflanzen ausgesät und schließlich in der Biogasanlage verwertet. Grundsätzlich war das Experiment erfolgreich. Aus rein technischer Sicht spricht nichts dagegen, zukünftig immer auf Wildblumen zu setzen. Dafür müssten nicht einmal die gewohnten Abläufe geändert werden, sondern die Landwirte können ihre bereits vorhandenen Maschinen weiter nutzen.


Eine Honigbiene entfernt sich von einer Blüte

Die Landwirte müssen mit finanziellen Nachteilen rechnen

Die Vorteile des Ansatzes liegen auf der Hand: Zum einen ist der Boden ganzjährig bepflanzt, sodass Erosionen verhindert werden. Außerdem geben die Blüten im Sommer den Insekten Nahrung, während die Stängel im Winter als Unterschlupf dienen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden müssen und auch weniger Dünger benötigt wird. Insgesamt macht der Acker zudem weniger Arbeit. Dennoch gibt es einen großen Nachteil: Maispflanzen wurden extra gezüchtet, um möglichst effizient zu wachsen. Sie bringen daher in der Biogasanlage auch den höchsten Ertrag. Die in Baden-Württemberg getestete Wildpflanzen-Mischung kam hingegen nur auf 50 bis 60 Prozent der sonst üblichen Erträge. Für die Bauern bedeutet dies finanzielle Einbussen zwischen zwanzig und dreißig Prozent.


Umweltschützer setzen auf die EU-Agrarsubventionen

Umweltschützer fordern daher, dass diese Einnahmeausfälle durch staatliche Subventionen ausgeglichen werden sollten. Im Blick haben sie vor allem die EU-Agrarsubventionen. Tatsächlich gibt es hier bereits einen Mechanismus, der dafür sorgt, dass Landwirte eine finanzielle Belohnung erhalten, wenn sie etwas für die Umwelt tun. Fachleute sprechen vom sogenannten „Greening“. Bisher allerdings fällt der Anbau von Wildpflanzen für die Biogasanlage nicht unter die Förderung. Alternativ wäre es daher auch denkbar, dass die Bauern weiterhin vor allem Mais und Raps anbauen, einige Hektar aber jeweils für Wildpflanzen reservieren. Dadurch wäre aus Sicht der Umwelt schon viel gewonnen, während die Verluste zumindest eingegrenzt werden könnten.

Via: NABU

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