Kommentar. Manche Menschen sind Lerchen, andere Eulen. Viele siedeln sich irgendwo dazwischen an, aber die wenigsten sind dafür gemacht, um 6 Uhr morgens frisch und fröhlich aus den Federn zu hüpfen. Ganz im Gegenteil: Wenn nach dem morgendlichen Weckerklingeln irgendwann die Orientierung wiedergefunden ist, muss in den meisten Fällen erst einmal ein Kaffee her, um überhaupt den Tageskurs zu halten. Warum eigentlich wird das Frühaufstehen in unserer Gesellschaft so gepriesen?


Fix und alle vom Frühaufstehen? Es wird Zeit für Veränderung!

Liegt unser Biorhythmus-Timing so verkehrt?

»Der frühe Vogel fängt den Wurm«, so sagte man früher. Später fügte irgendein Spaßvogel die Erwiderung »Der frühe Vogel kann mich mal!« hinzu, genervt von dieser Vergötterung des Aus-dem-Bett-Quälens. Unsere Gesellschaft ist jedoch aufs Frühaufstehen getrimmt, und nur wer zuverlässig Tag für Tag um halb acht am Arbeitsplatz erscheint, der hat Chancen, in seinem Milieu akzeptiert zu werden. Doch schon in der Jugend müssen viele von uns kämpfen, um am Ball zu bleiben. Die meisten jungen Leute sind nun einmal doch eher Eulen, sie bleiben am liebsten bis später in die Nacht auf und schlafen bis zum Mittag. Wahrscheinlich macht ihr spezielles Biorhythmus-Timing auch Sinn, sonst würde der Körper es nicht so verlangen.

Höhere Schaffenskraft durch mehr Schlaffreundlichkeit

Müdigkeit führt zu Fehlern, Übermüdete können sogar ebenso unzurechnungsfähig sein wie Besoffene. Obwohl der Schlaf im Kapitalismus so wenig Wert zu haben scheint, ist er doch von größter Wichtigkeit. Schlaffreundlichere Alltagsstrukturen könnten unsere Schaffenskraft enorm heben, so die Theorie. Statt eine wachsende Palette von Mitteln für das Einschlafen und Wieder-Wachwerden zu erfinden, müsste wieder mehr Rücksicht auf das menschliche Bedürfnis genommen werden, einfach mal tief und fest zu schlafen, ohne Limits. Es sollte sich tatsächlich eine Bewegung gründen, die für artgerechtes Menschsein eintritt. Flexible Schlafenzeiten in vernünftiger Länge gehören auf jeden Fall mit dazu. Wer fängt an?


Quelle: spiegel.de 

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