Indien und Pakistan streiten sich bereits seit den 1940er Jahren um die Region Kaschmir. Insgesamt führten die beiden Staaten seitdem drei Kriege gegeneinander, ohne dass es zu einer grundlegenden Lösung des Konflikts gekommen wäre. Verkompliziert wird die Tatsache dadurch, dass beide Staaten inzwischen zu faktischen Atommächten aufgestiegen sind. Lange Zeit ließ sich die Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung allerdings vergleichsweise gut kontrollieren. Doch nun warnen Experten vor einer gefährlichen Entwicklung: Beide Kontrahenten wollen U-Boote mit Atomwaffen bestücken. Der Grund dafür ist simpel: Dadurch soll sichergestellt werden, dass ein atomarer Angriff in jedem Fall entsprechend beantwortet werden kann. Doch gleichzeitig erhöht sich die Gefahr einer ungewollten Eskalation aus drei Gründen:


1. Sprengkopf und Trägerrakete sind nicht mehr getrennt

Bei landbasierten Atombomben werden die Sprengköpfe in der Regel getrennt von den dazugehörigen Raketen aufbewahrt. Dies hat den Vorteil, dass ein falscher Knopfdruck nicht gleich zur Katastrophe führen kann. Außerdem müssten Terroristen die Kontrolle über zwei verschiedene Standorte übernehmen, um die Bomben zum Einsatz zu bringen. Bei atomar bewaffneten U-Booten ist eine solche Trennung logischerweise nicht möglich. Hier müssen Bombe und Rakete gemeinsam an Bord gebracht werden.

Neben solchen landbasierten Raketen will Pakistan zukünftig auch U-Boote mit Atomwaffen bestücken. Foto: SyedNaqvi90 at English Wikipedia [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

2. Die Kommunikation ist lückenhaft

U-Boote machen nur Sinn, wenn sie auch weit in den Tiefen des Ozeans unterwegs sind und von gegnerischen Kräften kaum aufgespürt werden können. Gleichzeitig wird dadurch aber auch die Kommunikation mit den militärischen Kommandostrukturen erschwert. So können oftmals nur codierte Nachrichten übermittelt werden – was zu Missverständnissen führen kann. Außerdem ist die Kommunikation einseitig: Ab einer gewissen Tiefe kann das U-Boot zwar noch Befehle empfangen, aber selbst keine Nachrichten versenden. Wer auch immer an Bord für den Abschuss der Atomraketen verantwortlich ist, muss also unter Umständen mit nur lückenhaften Informationen arbeiten.


3. Es bleibt keine Zeit für Analysen

Wenn eines der U-Boote eine Rakete abfeuert, muss dies nicht zwingend eine Atomrakete sein. Genauso gut kann es sich auch um eine konventionelle Waffe handeln. Für den Gegner ist dies aber vermutlich erst nach Einschlag der Rakete zu erkennen. Im Fall eines militärischen Konflikts kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass schon bei einem bloßen Verdacht die nukleare Vergeltungsoption gezogen wird – was für beide Seiten schreckliche Folgen hätte.

Der Kargil-Krieg war brisanter als die Kuba Krise

Wie nah die beiden Seiten bereits einem Atomkrieg waren, zeigte das Jahr 1999. Im sogenannten Kargil-Krieg konnte ein noch größerer Konflikt nur mit viel Mühe und dank des Einsatzes von Bill Clinton verhindert werden. Experten betonen, dass die Welt dabei näher an einem Atomkonflikt stand als bei der berühmten Kuba Krise 1962. Durch die Bewaffnung der U-Boote steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einer ähnlichen Auseinandersetzung in Zukunft zu einer folgenreichen Fehleinschätzung kommen könnte. Hoffnung gibt es allerdings auch: Beide Seiten betonen, sich der Gefahr der Entwicklung bewusst zu sein. Indien hat zudem eine offizielle Atomwaffen-Doktrin verabschiedet, in der ein nuklearer Erstschlag explizit ausgeschlossen wird. Wachsam sollte die Weltgemeinschaft aber trotzdem bleiben. Helfen könnten beispielsweise verstärkte Bemühungen zur Lösung der Kaschmir-Frage.

Via: Vox.com

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