Das Great Barrier Reef ist ein UNESCO-Weltnaturerbe und das größte Korallenriff auf unserem Planeten. Und es ist in Gefahr. In den letzten Jahren wurde das Riffgebiet gleich drei Mal von weitreichenden Korallenbleichen heimgesucht. 2016 starben dabei etwa 90 Prozent der Korallen des Great Barrier Riff ab. Wie eine neue Studie enthüllt, könnte die nächste Korallenbleiche den Tod des Riffes nach sich ziehen.


Bild: „>Amazing Great Barrier Reef, Sarah Ackermann, Flickr, CC BY-SA 2.0

Gefahr fürs Riff

Korallen produzieren sehr viele Larven, weshalb die Wissenschaft bisher davon ausging, dass der Tod der Korallen durch einwandernde Korallenlarven ausgeglichen werden könnte. „ Man glaubte, dass die Widerstandsfähigkeit des Great Barrier Reefs durch seine schiere Größe und die Reproduktions-Kapazität der intakten Riffbereiche begünstigt wird„, so Terry Hughes vom ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies in Queensland.

Hughes und sein Team hatten aber Zweifel an dieser Hypothese und wollten sie untersuchen. In einer Studie werteten sie die Ansiedlung von Korallenlarven auf Testplatten aus, die bereits seit 1996 in 13 Bereichen des Great Barrier Reefs angelegt sind. Die Forscher konnten so beobachten, wie sich der Nachwuchs an Jungkorallen vor und nach den Korallenbleichen entwickelt hat. Dabei machten sie eine erschreckende Entdeckung: Die Korallenbleichen der letzten Jahre führte dazu, dass die Fortpflanzungsfähigkeit der Korallen fast vollständig kollabiert ist. 2018 sank die Zahl der Neuansiedlung von Korallenlarven um 89 Prozent, und seit 1996 hat die Dichte der Jungkorallen um fast das Zehnfache abgenommen. Damals waren im Schnitt 43 Jungkorallen pro Testplatte zu finden – heute sind es noch 4,9.


Dabei war der Schwund des Nachwuchses da am größten, wo auch die Korallenbleiche am heftigsten zuschlug. „ Tote Korallen machen keine Babys. Dieser Kollaps der Wiederbesiedlung deutet darauf hin, dass die Dezimierung der adulten Korallen unweigerlich auch die Fähigkeit zur Regeneration beeinträchtigt„, erklärt Hughes.

Zusammensetzung der Jungkorallen verschiebt sich

Am stärksten von den Effekten betroffen sind die Korallenarten, deren Larven bei der Fortpflanzung die weiteste Strecke zurücklegen. Derartige Korallenarten werden als „Spawner“ bezeichnet – sie geben Eier und Spermien ab, die Befruchtung findet erst im Meer statt. Die Larven der Spawner-Arten schwimmen dann bis zu sieben Tage durchs Meer, bevor sie sich niederlassen. So können sie auch weiter entfernte Riffteile erreichen und sind für den Fortbestand großer Riffflächen besonders wichtig. Die lebendgebärenden „Brüter“ dagegen können sich nur lokal fortpflanzen.

Die Studie der Forscher zeigt, dass die Population der Spawner-Larven im Great Barrier Reef auf sieben Prozent der einstigen Dirchte zurückgegangen ist, während die Brüter nur auf etwa ein Drittel zurückgegangen. Die daraus resultierende Verschiebung bei der Zusammensetzung der Babykorallen bedroht nach Ansicht der Forscher den Bestand des Great Barrier Reefs.

Stirbt das Great Barrier Reef?

Das Hauptproblem ist, dass die Regeneration toter Riffbereiche sich durch den Kollaps der Fortpflanzugsfähigkeit massiv verlangsamt hat. „ Es wird mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis die schnellsten Korallenarten sich wieder erholt haben und viel länger für die langlebigeren und langsam wachsenden Spezies„, fürchtet Hughes. Ob das Riff diese Zeit bekommt, scheint aber unwahrscheinlich. Denn während in den 1980er Jahren noch lediglich etwa alle 25 Jahre eine Korallenbleiche stattfand, passiert dies heute alle 4.9 Jahre.

Es ist daher extrem unwahrscheinlich, dass wir einem fünften oder sechsten Massensterben durch Korallenbleiche im kommenden Jahrzehnt entgehen werden. Wir haben immer gedacht, das Great Barrier Reef ist zu groß, um zu sterben – bis jetzt„, erklärt Morgan Pratchett vom ARC. Schon die nächste Korallenbleiche könnte ausreichen, um die Problematik so sehr zu verschärfen, dass das Riff sich nicht mehr erholen kann.

Nach Schätzungen des Weltklimarats IPCC bedroht die globale Erwärmung 70 bis 90 Prozent der tropischen Korallenriffe. Bis 2030 könnten diese gestorben sein. Und auch das Great Barrier Reef ist davor nicht geschützt. „ Es gibt nur einen Weg, um dieses Problem zu lösen: Wir müssen die Wurzel der globalen Erwärmung angehen und so schnell wie möglich die Treibhausgasemissionen senken„, appelliert Hughes.

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