Neutrinos – oftmals auch als Geisterteilchen bezeichnet – befinden sich überall. Alleine die Finger, die diese Zeilen hier schreiben, werden in jeder Sekunde von Milliarden Neutrinos durchströmt. Lange Zeit dachte man, die kleinen Elementarteilchen hätten gar kein Gewicht. Kontinuierliche Forschungsarbeit hat inzwischen aber den Nachweis erbracht, dass Neutrinos tatsächlich eine Masse haben. Im Jahr 2015 erhielten Takaaki Kajita und Arthur B. McDonald dafür sogar den Nobelpreis. In Karlsruhe soll nun untersucht werden, wie schwer die Neutrinos genau sind. Weil dies aber gar nicht so einfach ist, dauerte alleine der Bau der Waage rund 15 Jahre. Mit einem feierlichen Festakt wurde das Gerät nun aber in Betrieb genommen. Etwas Geduld benötigen die Forscher allerdings noch: Die genauesten Messergebnisse soll es erst nach rund fünf Jahren geben.


Via: KIT

200 Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten mit der Waage

Denn die Waage funktioniert über eine Art indirekten Nachweis. So wird zunächst der Zerfall von Tritium herbeigeführt, wodurch Elektronen und Neutrinos freigesetzt werden. Die besonders stark geladenen Elektronen werden dann eingefangen und gewogen und vermessen. Daraus wiederum kann dann das Gewicht der Neutrinos abgeleitet werden. Die Experimente tragen auch den Namen Katrin – „Karlsruhe Tritium Neutrino Experiment“ – und sollen insgesamt rund 60 Millionen Euro kosten. Beteiligt sind zudem keinesfalls nur Wissenschaftler aus Deutschland. Vielmehr arbeiten 200 Wissenschaftler aus zwanzig Institutionen aus aller Welt mit der neuen extrem genauen Waage. Auch die Ergebnisse werden weltweit mit Spannung erwartet und dürften die wissenschaftliche Diskussion beflügeln.

Die Entstehung des Universums soll besser erklärt werden können

Der Bau der Waage in Karlsruhe ist ein Beispiel für wichtige Grundlagenforschung, weil ein elementarer Bestandteil des Universums genau vermessen wird. Welche Erkenntnisse daraus dann letztlich gewonnen werden können, lässt sich aktuell aber noch schwer abschätzen. Klar ist aber, dass Neutrinos etwa beim Urknall eine Rolle spielten. Gut möglich also, dass die leichtesten existierenden Elementarteilchen dazu beitragen können, unser Wissen über die Entstehung des Universums zu vergrößern. Neutrinos entstehen aber beispielsweise auch bei der Kernfusion im Inneren unserer Sonne. Auch hier sind neue Erkenntnisse also keineswegs ausgeschlossen. Die Neutrino-Waage ist zudem ein gutes Beispiel dafür, dass Spitzenforschung auch in Deutschland möglich ist.


Via: KIT

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