Wie intelligent ein Mensch ist, ist zu mindestens 50, wenn nicht sogar 80 oder 90 Prozent, in seinen Genen begründet. Darüber herrscht in der Wissenschaft heutzutage weitestgehend Einigkeit. Der restliche Anteil wird von einer Vielzahl an Faktoren bestimmt, die die Entwicklung des Gehirns beeinflussen. Wo genau im Genom die Intelligenz sitzt, ist weiterhin unbekannt. In einer neuen Studie konnten Forscher nun so viele genetische Variationen wie nie zuvor identifizieren, die mit Bildungserrungenschaften im Zusammenhang stehen.


Foto: School, CollegeDegree360, Flickr, CC BY-SA 2.0

Intelligenz ist Gensache

Mit der Studie konnte der Einfluss des Erbguts auf die Intelligenz und den Bildungserfolg weiter bestätigt werden. Betrachtet wurden dabei mehr als eine Million Menschen, bei denen die Forscher die Zusammenhänge zwischen der schulischen Laufbahn und der genetischen Variation betrachteten. So konnte das Team insgesamt 1.271 genetische Variationen identifizieren, die im Zusammenhang mit dem erreichten Bildungsabschluss stehen.

Solche genetische Variationen bezeichnet man als SNP (Single Nucleotide Polymorphisms), gesprochen Snips. Dabei handelt es sich um Positionen im Genom, an denen zwei verschiedene Basen auftauchen können. Die Snips legen unsere genetische Individualität fest. Veränderungen, die in nicht kodierten Genabschnitten liegen, sind weitestgehend bedeutungslos. Aber in der aktuellen Studie wurden über 1.200 Snips identifiziert, die Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns und die Signalübertragung zwischen Nervenzellen nehmen.


Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Intelligenz und Genom weiter gefestigt

Dass genetische Variationen im Zusammenhang mit Erfolg in der Ausbildung stehen, war bereits früher gezeigt worden. Die neue Studie belegt dies aber nun anhand einer sehr großen Probandengruppe. Das Team berechnete außerdem den polygenic score, einen Wert, der aussagt, wie große der Einfluss genau ist. Nach Angaben der Forscher hängt die Qualität des schulischen Abschlusses zu elf bis 13 Prozent an den genetischen Varianten. Bei kognitiven Leistungen liegt der Einfluss bei sieben bis zehn Prozent.

Derartige Studien, die das Erbgut nach Einflussfaktoren auf bestimmte Merkmale untersuchen, werden als genomweite Assoziationsstudien (GWAS). Dabei geht es häufig darum, genetische Faktoren zu identifizieren, die das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen. Aber auch andere Merkmale können das Ziel einer solchen Studie sein.

Mit der aktuellen Untersuchung ließe sich theoretisch deutlich genauer vorhersagen, welchen Bildungserfolg Kinder haben werden. Allerdings bleibt es weiter dabei, dass auch die Umgebung eine wesentliche Rolle spielt.

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