Island liegt genau oberhalb zweier tektonischer Platten, die nach und nach auseinanderdriften. In die dabei entstehende Lücke dringt flüssiges Magma ein und bildet die Grundlage der isländischen Vulkanwelt. International Schlagzeilen machte die kleine Insel dabei im Jahr 2010, als der Eyjafjallajökull ausbrach und europaweit den Flugverkehr lahmlegte. Das unterirdische Magma kann aber auch durchaus sinnvoll genutzt werden. Dies merkten isländische Wissenschaftler vor einigen Jahren. Damals führten sie eigentlich eine konventionelle Geothermie-Bohrung durch, trafen dabei aber auf eine Schicht Magma. Als sie dort dann Wasser hineinleiteten, stieg extrem heißer Dampf auf, der zur Energiegewinnung und als Wärmequelle genutzt werden kann. Nun soll dieses Konzept erstmals gezielt in der Praxis getestet werden.


Die Stromproduktion könnte durch die neue Technik um das zehnfache ansteigen

Dazu treiben Wissenschaftler eine Bohrung rund drei Meilen in die Tiefe. Sie hoffen, dort auf Magma-Reserven zu treffen, die Temperaturen zwischen 400 und 1.000 Grad Celsius erzeugen können. Zum Vergleich: Konventionelle Geothermie-Projekte erreichen in der Regel nur Temperaturen von bis zu 200 Grad Celsius. Die produzierte Elektrizität könnte sogar bis zu zehnmal höher liegen als bei den bisher genutzten Methoden. Die nun im Südwesten des Landes durchgeführte Bohrung soll dabei unter Beweis stellen, dass sich die neue Magma-Technik auch großflächig zum Einsatz bringen lässt. Auf diese Weise könnte die Geothermie zukünftig einen noch größeren Anteil am isländischen Energie- und Wärmemix übernehmen.


International kann die Magma-Geothermie nur in wenigen Ländern zum Einsatz kommen

Schon heute werden beispielsweise sämtliche Häuser der isländischen Hauptstadt mit Hilfe von Geothermie beheizt. Global ist das Potential der Magma-Geothermie aber natürlich bei weitem nicht so groß. Denn die wenigsten Länder haben dafür so ideale Bedingungen wie die Vulkaninsel Island. Weltweit trägt die Geothermie heute ohnehin lediglich 0,4 Prozent zur Stromversorgung bei. Dabei hat die Technik theoretisch durchaus einige Vorteile: Sie verursacht keine Klimaemissionen, kann aber gleichzeitig konstant und rund um die Uhr Strom produzieren. Die International Energy Agency sieht für die Zukunft daher durchaus noch Potential. Bis zum Jahr 2050 könnte die Technik immerhin rund 3,5 Prozent zur weltweiten Stromproduktion beitragen.

Via: Vox

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