In der Gemeinde Hüffenhardt in Baden-Württemberg gibt es seit einigen Jahren keine Apotheke mehr. Wer ein Medikament benötigt, muss daher seitdem rund sechs Kilometer fahren. Die Versandapotheke Doc Morris wollte dieses Problem eigentlich beheben. Der Konzern baute daher die Räume der ehemaligen Apotheke um und installierte dort einen Automaten. Kunden konnten dort ihre Bestellung aufgeben, über ein Bezahlterminal die Rechnung begleichen und das gewünschte Produkt direkt mitnehmen. Auf Wunsch war es zudem möglich, über einen Bildschirm Kontakt mit einem Apotheker in den Niederlanden aufzunehmen. So sollte die teilweise benötigte Beratung sichergestellt werden. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat nun aber das Verbot des Apothekenautomats bestätigt.


Medikamente

Die persönliche Beratung soll Fehlmedikationen vermeiden

Geklagt hatte unter anderem der Landesapothekerverband Baden-Württemberg. Das Argument der Kläger: Doc Morris umgeht mit dem Automaten die gesetzlichen Vorschriften zur Ausgabe von bestimmten Medikamenten. Sie verwiesen zudem auf eine erschreckende Zahl. Demnach gibt es in Deutschland jährlich rund 500.000 Fälle von Fehlmedikationen, die in der Notaufnahme eines Krankenhauses enden. Für die etablierten Apotheker ist daher klar: Auf eine direkte Beratung vor Ort darf nicht verzichtet werden. Gerade für ältere Menschen stellt die Kommunikation über den Bildschirm ihrer Meinung nach keine geeignete Alternative dar. Der Vorwurf an Doc Morris: Das niederländische Unternehmen wolle sich auf Kosten der Sicherheit zusätzliche Einnahmen verschaffen.


Auf dem Land gibt es immer weniger Apotheken

Noch ist das juristische Tauziehen aber noch nicht ganz abgeschlossen. Denn die Versandapotheke hat die Möglichkeit, den Fall vor den Bundesgerichtshof zu bringen. Bis dahin wird das zugrunde liegende Problem weiterhin bestehen bleiben. Denn während in den Innnenstädten die Zahl der Apotheken sehr hoch ist, dünnt sich das Netz auf dem Land immer weiter aus. Wie diese Lücken geschlossen werden können, ist allerding umstritten. Es handelt sich zudem nicht um den einzigen Streitpunkt zwischen ortsansässigen Apothekern und europäischen Versandhändlern von Medikamenten. Eine andere Auseinandersetzung dreht sich beispielsweise um die Frage, ob ausländische Anbieter Rabatte gewähren dürfen, die die deutsche Preisbindung unterlaufen.

Via: Tagesschau

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