Zuletzt hatte der Energiekonzern RWE eher wenig Freude mit dem Abbau von Braunkohle im rheinischen Revier. So machte die geplante Räumung des Hambacher Forstes bundesweit Schlagzeilen und wurde letztlich durch ein Gerichtsurteil vorerst gestoppt. Auch Klimaschützer und andere Kohle-Aktivisten kritisieren den Konzern immer wieder heftig und setzen teilweise auf Blockaden als Form des Protests. Nun hat der Konzern eine überraschende Offerte erhalten. Ausgerechnet der Ökostrom-Anbieter Greenpeace Energy will in drei Stufen alle noch vorhandenen Braunkohle-Aktivitäten im Rheinland kaufen. Das Ziel der Aktion ist klar: Die Verstromung der Kohle soll beendet werden. Damit dennoch genug Elektrizität vorhanden ist, sollen dort, wo früher Kohle abgebaut und verbrannt wurde, riesige Windkraft- und Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 8,2 Gigawatt entstehen.


Bild: Greenpeace Energy

Jeder Bürger soll sich an dem Projekt beteiligen können

Durchgerechnet wurde das Projekt von Greenpeace Energy bereits. Insgesamt würden sich die Kosten auf rund sieben Milliarden Euro belaufen. Staatliche Subventionen werden nicht benötigt. Zur Finanzierung ist stattdessen eine sogenannte Betreibergenossenschaft geplant, an der sich Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen beteiligen können. Im Gegenzug sollen die Teilhaber eine jährliche Rendite in Höhe von fünf bis sieben Prozent erwirtschaften können. Abgeschlossen werden soll der Bau der neuen Anlagen Mitte der 2020er Jahre. Daher ist auch nicht geplant, alle Kohle-Kraftwerke von RWE auf einmal zu übernehmen. Stattdessen ist ein schrittweiser Umbau hin zur nachhaltigen Stromproduktion geplant. So gut die Pläne allerdings auch klingen, gibt es doch noch einen Haken: Warum sollte RWE ein Interesse an dem Deal haben?

Der Kaufpreis könnte deutlich zu niedrig angesetzt sein

Denn das Kaufangebot des Ökostrom-Anbieters beläuft sich auf lediglich rund 384 Millionen Euro. Zusätzlich soll sich der Energiekonzern zudem verpflichten, sich an den Kosten für die nötigen Weiterbildungen der bisherigen Mitarbeiter zu beteiligen. Nicht wenige Experten gehen aber davon aus, dass RWE deutlich mehr Geld verdienen könnte, wenn die Kraftwerke und Tagebaue einfach weiter betrieben und dann irgendwann in Eigenregie stillgelegt würden. Noch ist daher völlig unklar, ob es tatsächlich zu einem Verkauf kommt. Ein wenig erinnert das Kaufangebot zudem an eine Geschichte aus dem Jahr 2008. Damals wollte das Bonner Unternehmen Solarworld den Autobauer Opel übernehmen. Dazu kam es nie, es handelte sich aber um eine gute Marketing-Geschichte – auch wenn Solarworld inzwischen selbst in die Pleite schlitterte.


Via: Greenpeace Energy

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.