Es war eine Transaktion, die in Fachkreisen durchaus für Aufsehen sorgte: Im März dieses Jahres verkaufte die Deutsche Post ihren erfolglosen Messenger-Dienst Sims Me an das Startup Brabbler. Hinter der Transaktion standen drei bekannte Namen: Karsten Schramm, Peter Köhnkow und Eric Dolatre gründeten einst GMX und betrieben mit Ginlo ebenfalls einen eigenen Messenger. Das erklärte Ziel: Eine deutsche Alternative zu WhatsApp zu erschaffen, die vor allem mit Privatsphäre und Datenschutz punktet. Doch nicht einmal sieben Monate nach der Übernahme steht das Projekt nun vor dem Aus. Denn der Brabbler AG ist es nicht gelungen, weitere Investoren zu gewinnen. Die Geschäftsführung hat daher Insolvenz angemeldet und wird den Messenger zum Jahresende einstellen.


Bild: Claudio Alvarado Solari

Datenschutz alleine reicht nicht als Verkaufsargument

Die Geschichte wirft ein Schlaglicht darauf, wie schwer es tatsächlich ist, gegen die Tech-Größen aus dem Silicon Valley anzutreten. Dabei hatte Brabbler rein theoretisch schon auf das richtige Thema gesetzt. Immerhin standen WhatsApp und die Konzernmutter Facebook wiederholt wegen eines etwas zu laxen Umgangs mit Kundendaten in der Kritik. Umfragen zeigen zudem immer wieder, dass deutsche Kunden – zumindest in der Theorie – durchaus viel Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legen. Dass die deutsche Messenger-Alternative dennoch nur rund 500.000 Downloads verbuchen konnte, liegt an den sogenannten Netzwerkeffekten. Damit wird die Tatsache beschrieben, dass bestimmte Produkte nur funktionieren, wenn sie von einer ausreichend großen Masse genutzt werden.

Netzwerkeffekte bevorteilen die großen Anbieter

Am deutlichsten wird dies bei sozialen Netzwerken. Denn das Veröffentlichen von Fotos und Nachrichten ergibt natürlich nur Sinn, wenn dies auch gesehen wird. Der deutsche Facbook-Klon StudiVZ versank daher in dem Moment in der Bedeutungslosigkeit, in dem eine kritische Masse an Nutzern zum Original gewechselt war. Im Fall von Messengern gibt es ähnliche Netzwerkeffekte, weil die einzelnen Dienste nicht miteinander kompatibel sind. Viele Nutzer setzen daher schlicht auf das Angebot, bei dem auch die meisten Kontakte vertreten sind. Selbst für ein in Deutschland tief verwurzeltes Unternehmen wie die Deutsche Post war es daher eine Herkulesaufgabe gegen einen etablierten Marktführer wie WhatsApp anzutreten. Brabbler wiederum setzte darauf, zumindest ausreichend Unternehmenskunden gewinnen zu können. Auch hier greifen aber die beschriebenen Mechanismen.


Via: Brabbler

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1 Kommentar

  1. Robin

    6. November 2019 at 15:11

    Ob man jetzt ausgerechnet der deutschen Post, die nachweislich Kundendaten kauft und verkauft, vertraut, dass sie einen Messenger mit gutem Datenschutz bauen? Zumal die DSGVO bei der Post auch nicht zu greifen scheint.

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