Seit es kostenloses WLAN in den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn gibt, ist der Verkauf von Zeitschriften an vielen Bahnhöfen signifikant zurückgegangen. Das Angebot scheint von den Kunden also durchaus angenommen zu werden. Im Zug selbst ist die Erfahrung für viele Nutzer aber immer wieder ernüchternd. Denn vor allem in ländlichen Gebieten fällt das Signal oft aus. Dies hängt mit der dahinter stehenden Technik zusammen. Denn eine Antenne auf dem Dach der Züge verbindet sich mit den Netzen der Anbieter Telekom, O2 und Vodafone und gibt anschließend ein gebündeltes und verstärktes Signal an die Passagiere weiter. Der Haken: Wenn in einem Funkloch kein Mobilfunknetz vorhanden ist, kann auch nichts weitergeleitet werden.


Bild: Deutsche Bahn AG / Claus Weber

Die Bahn setzt auf einen Deal mit der Politik

Besonders kurios: Oftmals sitzen die Kunden in unmittelbarer Nähe einer Glasfaserleitung. Denn rund 18.000 Kilometer des Schienennetzes der Deutschen Bahn sind mit Glasfaserleitungen ausgestattet. Diese werden für die Steuerung der Züge benötigt. Sie könnten aber auch genutzt werden, um daran Mobilfunksender anzuschließen und so bestehende Funklöcher zu schließen. Bereits im vergangenen Jahr machte die Bahn der Bundesregierung daher ein Angebot: Für rund 3,5 Milliarden Euro würde der Konzern auch die restlichen 15.000 Kilometer an Streckennetz mit Glasfaserleitungen versehen und so flächendeckend für schnelles Internet sorgen. Theoretisch könnte dies auf zwei Arten geschehen: Der Staatskonzern könnte eine eigene Mobilfunktochter aufbauen oder den Zugang zum Glasfasernetz an die etablierten Anbieter vermieten.

Die Mobilfunkanbieter müssen Auflagen erfüllen

Bisher hat sich die Bundesregierung zu diesen Plänen noch nicht geäußert. Auch die Bahn wollte sich zum aktuellen Stand der Planungen nicht äußern. Theoretisch sind ohnehin die klassischen Anbieter in der Pflicht, die Internet-Lücken entlang der Bahnstrecken endlich zu schließen. So sieht die aktuelle Ausschreibung der 5G-Lizenzen vor, dass auf Strecken mit mehr als 2.000 Passagieren pro Tag ab dem Jahr 2022 mindestens 100 MBit pro Sekunde angeboten werden müssen. Allerdings bauen die Konzerne jetzt schon vor: Sie verweisen auf die hohen Kosten der noch laufenden Auktion. Dieses Geld könnte später – so die Argumentation der Unternehmen – beim Ausbau des Netzes fehlen. Spätestens dann könnte auch das Glasfasernetz der Bahn wieder in den Fokus rücken.


Via: Zeit

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