In den meisten Fällen ist Verhütung Frauensache. Im Grunde ist das auch logisch, schließlich sind es auch die Frauen, die Schwanger werden. Wirklich populäre Verhütungsmittel für den Mann gibt es nur wenige – abgesehen natürlich von Kondomen. Seit einiger Zeit arbeiten Wissenschaftler jedoch an einer Art Pille für den Mann. Eines dieser Medikamente konnte sich kürzlich in klinischen Studien beweisen.


DMAU: Die neue Pille für den Mann

Die Pille für die Frau ist ein weit verbreitetes Verhütungsmittel – und dazu relativ sicher. Jedoch können zahlreiche Frauen die Pille aufgrund von Unverträglichkeiten nicht nehmen. Und noch mehr Frauen wollen die Pille nicht nehmen, da die Hormone in der Pille sich teilweise drastisch auf den Körper und die Psyche auswirken können. Deshalb liegt der Gedanke durchaus nahe, eine Pille für den Mann zu entwickeln. Versuche gibt es genug – unter anderem wird auf einen Wirkstoff zurückgegriffen, der in Afrika traditionell dazu verwendet wird, um Pfeilspitzen zu vergiften. Ein anderes Team experimentiert mit einer Art topischem Gel. Nun gibt es jedoch eine neue Art Pille für den Mann, die es bereits durch erste klinische Studien geschafft hat.


Entwickelt wird das Medikament namens „dimethandrolone undecanoate“ oder kurz „DMAU“ von einem Team aus den USA. Der Wirkstoff hat eine langkettige, fettige Säure, die dafür sorgt, dass der Körper des Mannes ihn nur langsam ausscheiden kann. Daher kann DMAU ähnlich wie Pillen für die Frau einmal täglich eingenommen werden, um seine Wirkung zu entfalten und könnte zu einer guten Alternative für die Verhütung in Beziehungen sein.

DMAU is a major step forward in the development of a once-daily ‚male pill. Many men say they would prefer a daily pill as a reversible contraceptive, rather than long-acting injections or topical gels, which are also in development“, erklärt Stephanie Page, die an der Entwicklung von DMAU beteiligt war.

Weitere Studien sind erforderlich

An der kürzlich stattgefundenen Phase-1-Studie nahmen 100 gesunde männliche Probanden teil. Diese wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Zwei Gruppen erhielten eine unterschiedliche Dosierung von DMAU, die dritte Gruppe erhielt ein Placebo. Die Gruppe mit der höheren Dosis zeigte vielversprechende Resultate bezogen auf das Testosteronlevel sowie die Spermienproduktion. Nebenwirkungen waren ein leichter Rückgang des HDL-Cholesterin-Werts im Blut (HDL ist als „gutes Cholesterin“ bekannt) sowie eine leichte Gewichtszunahme.

Ob das Medikament als Verhütungsmittel wirklich effektiv und sicher ist, wird sich in weiteren klinischen Studien zeigen müssen. Eingriffe in den Hormonhaushalt von Männern sind in der Regel noch schwieriger zu managen als es bei Frauen der Fall ist, und die Effekte können unter Umständen nicht wieder rückgängig gemacht werden.

via The Endocrine Society

2 Kommentare

  1. eisvogel

    21. März 2018 at 12:38

    Also wirklich, da steht: „Eingriffe in den Hormonhaushalt von Männern sind in der Regel noch schwieriger zu managen als es bei Frauen der Fall ist, und die Effekte können unter Umständen nicht wieder rückgängig gemacht werden.“

    Testosteron beim Mann medikamentös zu senken, das für Fitness und Muskelaufbau mitverantwortlich ist, finde ich doch sehr bedenklich, noch dazu weil der Testosteronspiegel mit dem Alter ohnehin abnimmt und mitverantwortlich für den Verfall (Muskelmasseverlust) des Körpers ist.
    Viele ältere Herren führen dem Körper sogar Testosteron zu um fit und leistungsfähig zu bleiben oder es wieder zu werden.
    Welcher Mann läßt den bitte gerne eine Frau aus sich machen nur um zeugungsunfähig zu sein?
    Ich denke, solche Produkte haben keine Zukunft.
    Da bleib ich doch lieber beim guten alten Kondom.

  2. Alexander Trisko

    21. März 2018 at 14:58

    Genau darum geht es doch. Eine Methode finden, mit der der Hormonhaushalt eben nicht dergestalt durcheinandergebracht wird,dass es bleibende Schäden hat oder den Körper zu sehr aus der Bahn wirft.

    Die Probanden in der Studie hatten eben genau die Nebenwirkungen, die normalerweise mit Testestoronmangel einhergehen, nicht. Natürlich muss das noch weiter untersucht werden, aber das ist bei der Zulassung von Medikamenten ja normal. Das gute alte Kondom ist halt statistisch gesehen nicht so wirklich das Mittel der Wahl, wenn man wirklich effektiv verhüten möchte – Pearl Index und so.

    Letztlich muss natürlich jeder selber entscheiden, wie er verhütet. Aber es spricht ja nichts dagegen, Alternativen zu schaffen. Bedenkt man, welche Auswirkungen orale Antikonzeptiva auf den weiblichen Körper haben, kann durchaus auch der Mann mal eine bittere „Pille“ schlucken – bzw. es sollte die Möglichkeit dazu geben.

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