Disteln könnte dem Leverkusener Agrarchemikalienhersteller Bayer das Geschäft verhageln. Glyphosat, das unbeliebte, aber derzeit wohl noch unersetzbare Pestizid, könnte von Pelargonsäure verdrängt werden. Da ist eine in den Blättern der Pelargonie, vor allem aber in Disteln und Artischocken vorkommende Substanz, die sich gegen Pflanzen einsetzen lässt, die die Ernte schmälern könnte. 


Bild: Rita Erfurt, CC SA-BY 3.0, via Wikipedia

Distelplantagen auf Sardinien

Novamont, ein italienisches Unternehmen, betreibt auf der Insel Sardinien gemeinsam mit örtlichen Bauern bereits ganze Distelplantagen. Die weltweit einzige Bioraffinerie zur Herstellung des Herbizids ist bereits in Porto Torres in Betrieb. Die Säure verbrennt die Blätter des Unkrauts, greift aber die Wurzeln nicht an. Das billigere Glyphosat dagegen macht keine halben Sachen. Das hat einen Vorteil: Die Felder müssen nicht mehr umgepflügt werden, um die Wurzeln unschädlich zu machen. Das reduziert den Aufwand, beugt auch der gefürchteten Erosion vor. Anderseits ist Glyphosat als „eventuell krebserregend“ eingestuft. Oft finden sich Spuren an Lebensmitteln, die von Glyphosat-behandelten Felder stammen.

Mineralölkonzern sitzt mit im Boot

Die Chemikerin Catia Bastioli, die das Herbizid aus Disteln gewinnt, glaubt, dass das natürliche Präparat das Zeug dazu hat, Glyphosat zu ersetzen. De Novamont-Chefin hat gemeinsam mit Versalis, einer Tochter des italienischen Mineralölunternehmens ENI Matrìca gegründet. Dieses Unternehmen betreibt die Pelargonsäure-Produktionsanlage auf Sardinien. Dabei handelt es sich um eine stillgelegte Erdöl-Cracker, der für den neuen Bedarf umgebaut wurde. In Erdöl-Crackern wird Rohöl zu Wertstoffen wie Benzin und Diesel zerlegt.


Die Distel, in Gärten wenig beliebt, hat erstaunliche Eigenschaften. Nicht nur, dass sie ein Pflanzenschutzmittel produziert. Sie wächst auf nahezu jedem Boden, ist resistent gegen Trockenheit, verhindert mit ihren Wurzeln Erosion und die Biomasse lässt sich, nachdem die Säure gewonnen wurde, als „Futter“ für Biogasanlagen nutzen.

In drei Ländern bereits zugelassen

Das Bioherbizid darf mittlerweile auf Kartoffeläckern, im Wein- und Obstanbau und auf öffentlichen Grünflächen in Italien, Frankreich und Österreich eingesetzt werden. Dass Glyphosat, das von der Europäischen Union noch eine „Galgenfrist“ bekommen hat, wie Bastioli glaubt, habe auch für ihr Produkt Vorteile. „Wir müssen die Zeit nun für eine strategische Planung nutzen, damit am Ende der Zulassung von Glyphosat auch wirklich Ersatz parat steht“, sagt sie.

via matrica.it

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