Das Thema glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel wird momentan heiß diskutiert. Nun gibt es ein weiteres Argument für diejenigen, die sich für ein Verbot des umstrittenen Pflanzenschutzmittels aussprechen Wie Zellversuche zeigten, können derartige Herbizide unter Umständen schädigend auf das Nervensystem wirken. Spezifisch schädigen sie die Myelinschicht – eine schützende Schicht, die unsere Nervenzellen nach außen isoliert. Dabei scheint aber nicht das Glyphosat selber das Problem zu sein, sondern die Hilfsstoffe, die dem jeweiligen Pflanzenschutzmittel zugesetzt werden.


Foto: H.-J. Sydow, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Glyphosat-Herbizide auf dem Prüfstand

Kaum ein Herbizid wird weltweit öfter eingesetzt als Glyphosat. Dabei ist der Unkrautvernichter stark umstritten, da es seit Jahren immer mehr Hinweise darauf gibt, dass das Mittel sowohl für Menschen als auch für Tiere schädigende Wirkung haben könnte. Glyphosat könnte unter anderem in den Hormonhaushalt eingreifen und krebserregend sein, so der Verdacht.

Ein Team rund um Mark Stettner vom Universitätsklinikum Essen hat nun eine weitere mögliche Wirkung des Pflanzenschutzmittels untersucht. Die Forscher wollten herausfinden, ob Glyphosat sich negativ auf das Nervensystem auswirkt. Dabei nahmen sie nicht nur Glyphosat selber unter die Lupe, sondern auch Präparate, die das Mittel enthalten – wie etwa das Breitbandherbizid „Roundup“, das von Monsanto vertrieben wird. Derartige Herbizide enthalten nicht nur Glyphosat, sondern auch nicht eindeutig deklarierte Hilfsstoffe.


Inhaltsstoffe schädigen Nerven

Die Forscher verwendeten ein Zellkulturmodell aus Nervenzellen und Schwannzellen. Letztere bilden die sogenannte Myelinscheide, eine Biomembran, die die Nervenbahnen nach außen isoliert und schützt. Dieses Zellmodell konfrontierten die Forscher mit verschiedenen Konzentrationen der zu untersuchenden Pflanzenschutzmittel. Dabei fanden sie heraus, dass Herbizide mit Glyphosat zu einem Abbau der Myelinscheide führen und verhindern, dass diese neu gebildet werden. Überraschend war aber, dass Glyphosat alleine deutlich weniger schädigende Wirkung zeigte. „ Unsere Daten weisen darauf hin, dass nicht benannte Inhaltsstoffe in Glyphosat-basierten Pflanzenschutzmitteln das Myelin schädigen können. Das Glyphosat selbst spielt möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle„, so Fabian Szepanowski, der an der Studie beteiligt war.

Welche Inhaltsstoffe dabei genau zu den beobachteten Reaktionen führen, muss in weiteren Studien ermittelt werden. Außerdem ist nicht klar, wie groß die Risiken für Menschen, Tiere und für die Umwelt tatsächlich sind. Die Forscher sehen allerdings tatsächlich die Möglichkeit als gegeben an, dass Herbizide wie Roundup bei andauernder Exposition den Verlauf von Erkrankungen des peripheren Nervensystems oder gar deren Entstehung begünstigen kann.

via Universitätsklinikum Essen

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