Die Eisschmelze in Grönland ist ein Problem. Diese Nachricht ist nicht neu. Forscher haben nun herausgefunden, dass sich der Vorgang innerhalb der letzten 10 Jahre vervierfacht hat. Dabei schmilzt das meiste Eis im Südwesten des Landes, was überraschend ist, da es dort kaum Gletscher gibt. Forscher warnen, dass das schmelzende Eis in Grönlands Südwesten künftig eine Haupttriebkraft für den steigenden Meeresspiegel werden könnte.


Bild: Hendrik Harms, CC BY-SA 2.5, via Wikipedia

Grönlands Eis schmilzt schneller

Nach der Antarktis handelt es sich bei Grönland um das zweitgrößte Eisreservoir unseres Planeten. Doch der Klimawandel geht nicht ohne Spuren zu hinterlassen an den Eismassen vorbei. Im Sommer zeugen zahlreiche Schmelzwasser-Tümpel von der fortschreitenden Eisschmelze. Westgrönland verliert inzwischen mehr Eis als in den letzten 450 Jahren und wird immer anfälliger für Klimaveränderungen.

Die Eisschmelze führt nicht nur zu einem Anstieg des Meeresspiegels, sie hemmt auch die thermohaline Zirkulation – jene Umwälzströmung im Atlantik, die unter anderem wesentlich für das Klima in Europa ist.


Ein Team rund um Michael Bevis von der Ohio State University lieferte nun neue Daten über den Eisschwund in Grönland. Sie werteten Daten des GRACE-Satelliten und diverser Messstationen am Boden aus und ermittelten, wie viel Eis Grönland in der Zeit zwischen 2003 und 2015 verloren hat.

Das Ergebnis ist erschreckend: „Anfang 2003 verloren der grönländische Eisschild und seine ausgelagerten Eiskappen noch 102 Gigatonnen Eis pro Jahr. Nur zehneinhalb Jahre später ist die Rate des Eisverlusts um das fast Vierfache angestiegen – auf 393 Gigatonnen pro Jahr„, so die Forscher. Das Team vermutet, dass ein Teil der Eisschmelze bereits unumkehrbar ist und das Eisschild sich dem Kipppunkt nähert.

Nicht die Gletscher schmelzen

Besonders überraschend für die Forscher war die Tatsache, dass das meiste Eis nicht an den großen Gletschern an den Küsten des Südostens und Nordwestens von Grönland verloren geht, sondern im Südwesten der Insel. „ Das lässt sich nicht durch Gletscher erklären, weil es dort kaum welche gibt. Der Verlust muss auf den Verlust von Oberflächeneis zurückgehen – Eis, das weiter im Inland schmilzt„, erklärt Bevis.

Der Eispanzer im Südwesten taut von oben her ab, so die Hypothese der Forscher. Dabei bilden sich im Sommer Wasserströme, die das Schmelzwasser ins Meer leiten. Die Forscher befürchten, dass die Schmelze in Südwest-Grönland in Zukunft mehr zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen wird.

Die Daten der Forscher zeigen aber auch, dass die Eisschmelze nicht allein an den steigenden Temperaturen weltweit liegt. Vor allem im Südwesten der Insel wird das Eisschild auch von der Nordatlantischen Oszillation (NAO) beeinflusst, einer zyklischen Schwankung der Druck- und Windverhältnisse, die in negativen Phasen mehr warme Luft nach Westgrönland führt.

Die Effekte der NAO kumulieren sich mit denen der globalen Erwärmung und verstärken so die sommerliche Eisschmelze in Grönland. In positiven Phasen führte zwischen 2013 und Anfang 2015 zu einer Verlangsamung der Schmelze, aber der Klimawandel führt dazu, dass der ausgleichende Effekt in Zukunft eine immer kleinere Rolle spielen wird. „ „In einem oder zwei Jahrzehnten wird die globale Erwärmung auch ohne Hilfe des NAO zu Schmelzraten wie im Sommer 2012 führen„, so die Forscher. Spätestens dann wäre der südwestliche Teil des Eisschildes von Grönland eine der Haupttriebkräfte für den Meeresspiegelanstieg.

via Ohio State University

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