Einer aktuellen Mitteilung des Londoner Imperial College zufolge können in Zukunft in Großbritannien Gebärmuttertransplantationen durchgeführt werden. Die Erlaubnis entsprang einer positiven Bewertung der zuständigen Ethikkommission. Derartige Eingriffe helfen Frauen, die beispielsweise aufgrund von Erbgutdefekten eine funktionslose Gebärmutter haben, wieder Kinder bekommen zu können.


Baby
Foto: Palnatoke CC BY-SA 2.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Gebärmuttertransplantationen geben Hoffnungen

Innerhalb der nächsten Monate sollen zehn Frauen von den neuen Bestimmungen profitieren und ein Spenderorgan erhalten. In Schweden gebar eine Frau mit einer transplantierten Gebärmutter vor knapp einem Jahr ein Baby. Es handelte sich dabei um eine medizinische Sensation, da die Spenderorgane stets Gefahr laufen vom Körper abgestoßen zu werden. Zudem ist das Risiko für Fehlgeburten ziemlich hoch. Eine weitere Besonderheit hatte der Fall aus Schweden ebenfalls inne. So stammte das Spenderorgan von der Mutter der behandelten Frau.

An diesem Erfolg wollen die Spezialisten in Großbritannien nun anknüpfen. Um die genannten Risiken so gering wie möglich zu halten, dürfen die Frauen, denen eine Spender-Gebärmutter eingesetzt werden soll, nicht älter als 38 Jahre sein. Zudem wird vorausgesetzt, dass die Frauen in einer stabilen Partnerschaft leben und normalgewichtig sind. Die Gebärmuttertransplantation ist recht aufwendig und teuer. Den Ärzten zufolge können die Organe von hirntoten Organspenderinnen stammen. Prinzipiell kommen jedoch auch, wie im Schweden-Fall, weibliche Familienangehörige als Organspenderinnen in Frage.


Medizinischer Fortschritt steigert die Erfolgschancen

Erst ein Jahr nach der erfolgreichen Transplantation des Uterus wird der Embryo eingesetzt. Der Embryo wird zuvor aus einer Eizelle der Frau und dem Sperma des Partners geschaffen.

Bereits im Jahr 2000 fand die erste Uterustransplantation in Saudi-Arabien statt. Da das Spenderorgan jedoch abstarb, musste es nach drei Monaten wieder entfernt werden. Vor drei Jahren bekam eine Frau in der Türkei eine Gebärmutter transplantiert, bisher hatte die Frau jedoch nur mit Fehlgeburten zu kämpfen. Die Ereignisse aus der Vergangenheit zeigen, dass es sich bei dem Verfahren um eine sehr komplizierte Angelegenheit handelt, die neben entsprechenden Voraussetzungen auch ein wenig Glück erfordert.

„Wir Ärzte treffen immer wieder auf Frauen, die keine eigenen Kinder bekommen können, weil sie keinen funktionstüchtigen Uterus haben. Wir sollten ihre Unfruchtbarkeit behandeln wie alle anderen Arten der Unfruchtbarkeit auch. Wir wollen jetzt herausfinden, ob und wie wir diesen Frauen helfen können.“, so Mats Brännström, der behandelnde Arzt aus Schweden, der letztes Jahr das Baby von einer gespendeten Gebärmutter per Kaiserschnitt auf die Welt holte, gegenüber Deutschlandfunk.

Tausende Frauen in Deutschland betroffen

Frauen, mit einer gespendeten Gebärmutter müssen viel auf sich nehmen. So ist der Eingriff an sich schon eine Tortur. In der Folge müssen Medikamente eingenommen werden. Sogenannte Immunsuppressiva sollen eine Abstoßung des Spender-Uterus weitestgehend verhindern.

Bis das Verfahren routinemäßig angewendet werden kann, dürften noch Jahre vergehen. In Deutschland ist eine Transplantation bisher noch nicht möglich. Die Uterustransplantation gibt vielen Frauen jedoch Hoffnung, die entweder gänzlich ohne Gebärmutter geboren wurden oder aufgrund von Erkrankungen wie Krebs den Uterus verloren. In Deutschland sind tausende Frauen betroffen.

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