Deutschlands Handballer haben bei der gerade beginnenden Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark keine Chance auf den Titel. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Berechnung mit statistischen Methoden, die sonst angewandt werden, um die Ausbreitung von Epidemien oder die Entwicklung von Aktienkursen vorherzusagen. Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität München sagen voraus, dass die Dänen es schaffen. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 41,2 Prozent. Für Frankreich lautet die Prozentzahl 18,4, für Kroatien neun und für Deutschland 6,7 Prozent.


Es reicht nicht einmal zum Gruppensieg

Deutschland wird nicht einmal Sieger in seiner Gruppe. Hier wird Frankreich siegen, wenn die Statistiker Recht haben. Die übrigen Gruppensieger sind, neben Dänemark, Kroatien und Ungarn. Das Team um Professor Andreas Groll vom Dortmunder Lehrstuhl für Datenanalyse und Statistische Algorithmen erstellte es zusammen mit dem Dortmunder Absolventen Jonas Heiner und dem Bochumer Handballfachmann Jörn Uhrmeister sowie Gunther Schauberger vom Münchener Lehrstuhl für Epidemiologie. Nach Bekanntgabe der vorläufigen 28-er-Kader für die Handball-WM modellierten sie den Verlauf des Turniers und simulierten dafür Hunderttausende von unterschiedlichen Spielausgängen; für jeden Ausgang errechneten sie eine Wahrscheinlichkeit. „In jeder einzelnen Simulation wurde jedes Spiel der Gruppenphase gemäß des Modells prognostiziert“, erklärt Schauberger. „Darauf aufbauend haben wir den weiteren Turnierverlauf bis zum Weltmeister vorhergesagt.“


Unzählige Faktoren flossen in die Rechnung ein

Die Forscher berücksichtigten schier unzählige Faktoren: Die Körpermaße der Spieler; die Anzahl der Spieler, die in der vergangenen Saison das Finale der Champions League oder des Europapokals erreichten; die Tatsache, ob es Gruppen von nominierten Spielern aus dem gleichen Verein gibt, die vermeintlich gut eingespielt sind; die Stärke der nationalen Liga; die Anzahl an Spielern, die im Ausland tätig sind, und deren Spielniveau; den Platz in der Weltrangliste; die Wertigkeit des Kontinentalverbandes, zu dem eine Nation gehört; Landespopulation und Bruttoinlandsprodukt; der Heimvorteil der beiden Gastgebernationen; Alter und Amtszeit der Trainer sowie ihre Herkunft im Vergleich zur betreuten Nation.

Es gibt noch einen Unsicherheitsfaktor

Ganz sicher sind sich die Forscher nicht. Es sei möglich, dass die Methode zu stark auf einzelne Variablen ausgerichtet sei, sagt Uhrmeister. Außerdem gibt es noch Hoffnung für Deutschland. Die Wissenschaftler wiederholen ihre Rechnung jetzt nach Bekanntgabe der endgültigen Spieler. Das neue Ergebnis soll am 14. Januar vorliegen. Es kann nur noch besser werden.

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