Als Leukämie (im Volksmund auch Blutkrebs) wird eine Gruppe maligner Erkrankungen des blutbildenden oder des lymphatischen Systems bezeichnet. Die Behandlung erfolgt mit Zytostatika und ggf. Knochenmarktransplantationen und ist für die Patienten alles andere als angenehm. Neue Hoffnung für eine Heilung kommt von einer Studie vom The Scripps Research Institute (TSRI). Wissenschaftler ist es gelungen, Leukämie-Zellen dazu zu bringen, sich gegenseitig anzugreifen.


Blutstropfen
Foto: precious drop, , Rosmary, Flickr, CC BY-SA 2.0

Eine zufällige Entdeckung

Die Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, mit der Leukämie-Zellen dazu gebracht werden, sich in Immunzellen zu wandeln, die andere Leukämie-Zellen angreifen. Der Schlüssel zu der Technik ist ein sehr seltener menschlicher Antikörper.

Antikörper sind Proteine, die vom Immunsystem des menschlichen Körpers produziert werden. Sie haften sich an eindringende Fremdkörper an, um diese entweder direkt zu neutralisieren oder aber für den Angriff durch Immunzellen zu markieren.


Die Wissenschaftler versuchten über die letzten Jahre, Antikörper-Therapien für Immundefizite zu entwickeln, bei denen das Knochenmark nicht genügend weiße Blutkörperchen produziert. Die Hoffnung war, Antikörper zu finden, die sich an unreife Knochenmarkszellen haften, um diese in reife Zellen zu verwandeln. Schließlich hatten die Forscher Erfolg. Was sie aber nicht erwartet hatten, war, dass einige dieser Antikörper die unreifen Zellen in völlig andere Zelltypen umwandelten – zum Beispiel in Zellen, die sich nur im menschlichen Nervensystem finden lassen.

Umgewandelte Zellen greifen AML-Zellen an

Bei akuter myeloische Leukämie handelt es sich um eine besonders aggressive Form der Leukämie, bei der myeloische Zellen im Körper angegriffen werden. Diese Zellen agieren gegen bakterielle Infektionen, Parasiten und gegen die Ausbreitung von Gewebeschäden. Patienten, die an AML erkrankt sind, produzieren viel zu viele weiße Blutzellen, was die Produktion anderer Blutzellen beeinträchtigt.

Die Forscher injizierten die neu entdeckten Antikörper in eine Blutprobe voller gefährlicher AML-Zellen und erlebten eine beeindruckende Entwicklung. Die Antikörper wandelten die AML-Zellen in dendritische Zellen um, eine Art Unterstützerzelle im Immunsystem. Nachdem die Zellen längere Zeit den Antikörpern ausgesetzt waren, reiften sie weiter in eine Art natürliche Klientele, ein Zelltyp, der bedrohende Organismen im Körper jagt und zerstört – auch Krebszellen.

Innerhalb eines einzigen Tages waren 15 Prozent der AML-Zellen in der Probe zerstört. Die Zellen greifen scheinbar spezifisch nur AML-Zellen an. Die Forscher hoffen, diese Erkenntnis in eine Heilungsmethode für mehrere Krebsarten umwandeln zu können.

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