Die spinnen, die Energieforscher, könnte man frei nach „Asterix und Obelix“ meinen. Sie schlagen doch tatsächlich die Rückkehr zur Elektroheizung vor und behaupten auch noch, das werden den Ausstoß an Kohlendioxid verringern und damit den Klimawandel verlangsamen. Bei näherem Hinsehen ist an der Idee der Wissenschaftler an der Technischen Universität München schon was dran. Wenn immer mehr Strom aus den erneuerbaren Quellen Wind und Sonne gewonnen wird, wird immer mehr Strom produziert, der aktuell keine Abnehmer findet. Er wird verramscht oder sogar zu negativen Preisen verkauft. Wenn das nicht reicht werden ganze Windparks vorübergehend abgeschaltet. Allein im Bereich des niederländisch-deutschen Netzbetreibers TenneT, einem von vier in Deutschland aktiven Unternehmen wurden im Jahr 2017 3900 Gigawattstunden nicht produziert. Das entspricht einem Drittel der Jahresstromerzeugung eines großen Kernkraftwerks.


In ihrer Simulation berücksichtigen Prof. Thomas Auer (l.) und Manuel de-Borja-Torrejón (r.) Ausbauszenarien erneuerbarer Energien und die Daten bestehender Gebäude. (Foto: A. Eckert / TUM)

Ökostrom für die Wärmepumpe

Diesen Strom könnte man nutzen, um im Winter Wohnungen zu beheizen und im Sommer zu kühlen. Zum Beheizen könnte das Wasser des ohnehin vorhandenen Heizkessels erwärmt werden. Eleganter, aber mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden wäre die Versorgung einer Wärmepumpe. Im Sommer würden Klimaanlagen mit dem überschüssigen Strom versorgt.

Für Professor Thomas Auer und sein Mitarbeiter Manuel de-Borja-Torrejón ist ein Aspekt besonders wichtig. Auf diese Art könnten Altbauten, die unzureichend wärmegedämmt sind und deshalb viel Brennstoff verfeuern müssen, der Kohlendioxid emittiert, ohne Umbaumaßnahmen energetisch entschärft werden. „Alle versuchen an neuen Gebäuden immer weiter und weiter Energie zu sparen, sprechen über Nullenergie-Häuser – dabei sind die neuen Gebäude gar nicht unser größtes Problem“, sagt Auer. „Knapp 80 Prozent unserer Gebäude sind vor 1980 gebaut worden, sprich vor der Wärmeschutzverordnung. Wir können nicht mit einzelnen neuen Gebäuden die Gesamtsituation retten.“


Wie Altbauten CO2-neutral werden können

Gemeinsam mit Professor Thomas Hamacher und Professor Ulrich Wagner aus der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik entwickelte der Architekt Auer ein Simulationstool, das den Strom- und den Gebäudesektor koppelt. Dabei zeigte sich, dass es auf diese Weise denkbar ist, den Gebäudesektor bis 2050 CO2-neutral zu machen. Und das, obwohl sich im Extremfall durch eine Nutzung des Stroms für den Gebäudebetrieb der Verbrauch zu Spitzenzeiten nahezu verdoppeln würde.

via TUM

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.