Am Ende ging die Arbeit dann doch etwas schneller als ursprünglich erwartet: Ein internationales Forschungs-Konsortium namens IWGSC hat 13 Jahre lang an der Entschlüsselung des Erbguts von Weizen gearbeitet. Nun wurden – ein Jahr früher als gedacht – die Ergebnisse veröffentlicht. Demnach sind rund 94 Prozent des Weizen-Genoms entschlüsselt. Wie schwierig diese Aufgabe war, zeigt ein Vergleich: Während das menschliche Erbgut auf rund 20.000 Gene kommt, sind es beim jetzt untersuchten Brotweizen 107.891. Es ist daher kein Wunder, dass rund 200 Forscher aus 20 Ländern an dem Projekt beteiligt waren. Die Arbeit wurde allerdings nicht nur aus wissenschaftlicher Neugier betrieben, sondern die Forscher erhoffen sich davon Fortschritte im Kampf gegen den Hunger weltweit. Aber auch Allergiker könnten profitieren.


Foto: H.-J. Sydow, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Neue Züchtungen könnten glutenfreies Weizenbrot möglich machen

Denn durch die exakte Entschlüsselung sind die Wissenschaftler nun in der Lage, genau zu bestimmen, welche Gene für welche Eigenschaften verantwortlich sind – und wo diese liegen. Dadurch wird die Züchtung neuer Sorten erleichtert. Bisher dauert dies auf konventionellem Weg rund zehn Jahre. Zukünftig soll es hingegen deutlich schneller gehen, auch wenn bisher natürlich noch keine empirischen Daten vorliegen. Genutzt werden können die neuen Züchtungen zum Beispiel im Kampf gegen den Klimawandel, indem neu Sorten auf den Markt gebracht werden, die hitzebeständiger sind oder weniger Wasser benötigen. Gleichzeitig ist es aber etwa auch möglich, Weizen zu züchten, der auch von Allergikern gegessen werden kann. So könnte etwa eine spezielle Weizensorte entwickelt werden, aus der sich dann glutenfreies Brot machen lässt.

Deutsche Forscher waren federführend beteiligt

Die Bedeutung des Weizens für die Ernährung der Weltbevölkerung ist durchaus groß. Den Angaben der beteiligten Forscher zufolge zählt die Pflanze bei etwa jedem Dritten zur Grundversorgung. Insgesamt ist Weizen für rund zwanzig Prozent der weltweit aufgenommenen Kalorien verantwortlich. Dazu zählt allerdings nicht nur der jetzt untersuchte Brotweizen, sondern auch der sogenannte Pasta-Weizen. Dieser soll nun in einem nächsten Schritt ebenfalls exakt entschlüsselt werden. An der Forschungsarbeit waren auch Wissenschaftler aus Deutschland federführend beteiligt. So gehörten das „Helmholtz Zentrum München“ und das „Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung“ zu den treibenden Kräften des Projekts. Mit den ersten marktreifen Züchtungen, die auf den nun gewonnenen Erkenntnissen beruhen, ist in zwei bis drei Jahren zu rechnen.


Via: Science

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