Der koreanische Autohersteller Hyundai hat mit dem Ioniq Elektro bereits ein Fahrzeug ohne Verbrennungsmotor im Angebot. In naher Zukunft soll es zudem eine Elektroversion des beliebten Kona geben. Auch ein Brennstoffzellenauto wird gerade entwickelt. Diese Entwicklung sieht Ha Bu-young, Chef der Gewerkschaft Hyundai Motor Union, allerdings alles andere als positiv. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte er: „Elektroautos sind ein Desaster. Sie sind böse. Wir sind sehr nervös.“ Seinen Berechnungen zufolge könnten im schlimmsten Fall bis zu 70 Prozent der Arbeitsplätze in der Produktion bedroht sein. Hintergrund der Befürchtung: Autos mit Elektromotor können einfacher konstruiert werden, weil weniger Teile benötigt werden.


In Deutschland könnten bis zu 600.000 Jobs betroffen sein

Auch verschiedene andere Anbieter – etwa Ford und Daimler – haben auf diesen Effekt bereits hingewiesen. Ein Prozentsatz von 70 Prozent wegfallender Arbeitsplätze wurde bisher allerdings noch nicht genannt. In Deutschland hat sich das Ifo-Institut mit der Problematik wissenschaftlich beschäftigt. Demnach sind 130.000 Arbeitsplätze bei einem Verbot des Verbrennungsmotors besonders gefährdet. In erster Linie handelt es sich um Jobs bei spezialisierten Zulieferern. Grundsätzlich könnten zudem in der gesamten Autobranche rund 600.000 Arbeitsplätze durch ein Verbot des Verbrennungsmotors wegfallen. Unklar ist allerdings, wie viele Jobs im Gegenzug in anderen Bereichen geschaffen werden – etwa bei der Produktion der benötigten Akkus. Die Gewerkschaften in Deutschland haben sich daher auch keineswegs so negativ positioniert wie Bu-young in Korea.


Auch die Automatisierung kostet Arbeitsplätze

Dennoch sind die Mitarbeiter der Autokonzerne und Zulieferer somit einer doppelten Gefahr ausgesetzt. Denn Prognosen gehen auch davon aus, dass die zunehmende Automatisierung in den nächsten Jahren massiv Arbeitsplätze kosten wird. Der chinesische Experte Kai-Fu Lee nannte in diesem Zusammenhang einmal die Zahl von rund fünfzig Prozent wegfallender Jobs. In beiden Fällen gilt aber: Aufhalten lassen wird sich die Entwicklung wohl kaum. Es liegt daher nun an den Unternehmen und Gewerkschaften, Lösungen zu finden, um so viele Jobs wie möglich zu erhalten oder an anderer Stelle neu zu schaffen. Ha Bu-young hat zumindest dafür gesorgt, dass nun niemand mehr sagen kann, er sei nicht gewarnt worden.

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