Männliche Ferkel lassen sich auch ohne teure Betäubung schmerzfrei kastrieren. Forscher an der Universität Hohenheim in Stuttgart setzen sich für die neue Methode ein. Die Ferkel werden durch zwei Impfungen in einem bestimmten zeitlichen Abstand von den Hormonen befreit, die das Fleisch später ungenießbar machen. „Zwei Pikse statt zweier schmerzhafter Schnitte“ heißt es aus der Hochschule.


Bild: Universität Hohenheim / Sacha Dauphin

Letzte Zweifel werden ausgeräumt

Heute werden Ferkel ganz ohne Betäubung per Skalpell kastriert. Eigentlich sollte diese grausame Methode zum Jahresende verboten werden, doch als vermeintlich einzige Alternative gilt die Kastration unter Betäubung, eine teure Möglichkeit. Die beiden Spritzen kosten dagegen ganze fünf Euro. Seit 15 Jahren ist diese Methode zugelassen. In Belgien wird sie bereits praktiziert. Die deutschen Schweinezüchter sperren sich jedoch gegen die so genannte Immunoimpfung. Um letzte Zweifel an diesem Verfahren auszuräumen, untersuchen Professor Volker Stefanski, Schweine-Experte an der Hochschule, einige seiner Stuttgarter Kollegen und Forscher aus sieben Partner-Institutionen aus ganz Europa, ob das Verfahren wirklich bedenkenlos anzuwenden ist.

Nicht kastrierte Tiere sind aggressiv

Ohne Kastration geht es nicht, da sind sich die Fachleute einige. Dass sich das Fleisch von Ebern kaum verkaufen lässt ist nur die eine Seite. „Ohne Kastration zeigen die Tiere ein wesentlich aggressiveres Verhalten“, sagt Professor Ulrike Weiler von der Universität Hohenheim. „Vor allem das Penisbeißen ist weit verbreitet: Etwa jedes zehnte Tier trägt hochgradige Verletzungen davon, oft schmerzhafter als eine chirurgische Kastration.“


Auch die Betäubung helfe nicht wirklich. Jedes fünfte Tier spüre die Schnitte dennoch, weil die Narkose nicht zuverlässig funktioniere, so Weiler. „Die Methode ist nicht nur unzuverlässig, sie kann den Tieren sogar mehr Stress verursachen als die bisherige Praxis“, so ihr vernichtendes Urteil. Die Impfungen seien dagegen unbedenklich und schmerzfrei.

Tiere leiden nicht mehr unter Stress

Bei der Immunokastration erhalten die männlichen Ferkel Impfungen, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Hormone anregen. Nach der zweiten Impfung wird die Hormonproduktion eingestellt. Schon lange vor dem Abschluss des Projekts steht für Stefanski bereits fest, „dass die Immunokastration in vielerlei Hinsicht besser abschneidet als die anderen Methoden. Bezüglich Magengeschwüre sind die Tiere unauffällig, was auf wenig Stress schließen lässt.“

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1 Kommentar

  1. Fragemich

    21. November 2018 at 15:24

    Durch die Immunoimpfung wird das Fleisch später ungenießbar? Ist Euch da auch kein Tipp-Fehler unterlaufen? Was für einen Vorteil hätten diese Impfungen denn dann für den Züchter, wenn er für das Fleisch nichts mehr bekommt? Wozu sollte er dann noch kastrierte (!) Ferkel aufzüchten?

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