Indiens neuer Premierminister Narendra Modi ist bekannt für unkonventionelle Lösungsansätze. So ließ er im Oktober letzten Jahres Regierungsbeamte zur Reinigung öffentlicher Toiletten antreten. Damit sollte die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter aus ein spezifisches Problem gelenkt werden: Der Mangel an sauberen Toiletten. Während beispielsweise in China 14 Millionen Menschen ihre Notdurft im Freien verrichten müssen, sind in Indien schätzungsweise mehr als 600 Millionen Einwohner von der Problematik betroffen.


Narendra Modi hat daher versprochen, das Problem innerhalb der nächsten fünf Jahre zu lösen. Auch der Minister für ländliche Entwicklung, Jairam Ramesh, fand zuletzt deutliche Worte: „Beinahe 60 Prozent der Leute weltweit, die ihre Notdurft im Freien verrichten müssen, leben in Indien. Selbst Länder wie Nepal, Bangladesch, Pakistan und Afghanistan haben da einen besseren Job gemacht. Dies sollte uns beschämen“, so der Politiker. Um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, soll nun die tatsächliche Nutzung der bereits existierenden öffentlichen Toilettenanlagen gemessen werden.


Fehlplanungen sollen der Vergangenheit angehören

Dazu werden so genannte „Sanitation Inspectors“ in die ländlichen Gebiete des Subkontinents geschickt. Dort beobachten die Regierungsbeamten die Nutzungsrate der Toiletten und berichten mit Hilfe von IPads und Smartphones in Echtzeit über die Benutzungszahlen der Anlagen. Auf diese Weise soll ermittelt werden, wo tatsächlich Bedarf für neue Sanitäranlagen besteht. Das Ziel ist es, teure Neubauten, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen, zu vermeiden. Gleichzeitig wurde aber auch das Budget für den Bau neuer Sanitäranlagen verdoppelt und die Kosten je Toilette auf 300 Dollar gesenkt.

Fehlende Toiletten sorgen für Kosten von 50 Milliarden Dollar

Die Ausgaben für den Bau neuer Toiletten waren bisher relativ gering. Zumindest verglichen mit den jährlichen Kosten, die durch den Mangel an sauberen Toiletten entstehen. Schätzungen zu Folge belaufen diese sich auf 50 Milliarden Dollar pro Jahr. Die indische Regierung bezeichnet ihre Sanitäranlagen-Initiative daher als „ökonomische und humanitäre Chance von historischem Ausmaß“.

Digital Journal

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