Was ist dran an der Angst vor dem Infraschall? An diesem Thema scheiden sich derzeit die Geister. Der unter anderem von Windkrafträdern erzeugte Schall liegt außerhalb der menschlichen Hörschwelle, die unter 16 Hz endet. Allerdings lassen sich die Wellen teilweise als Schalldruck wahrnehmen, je nachdem, wie sensibel ein Mensch ist. In der natürlichen Umgebung kommt Infraschall so gut wie nicht vor, er stammt weitgehend aus künstlichen Quellen. Ist das allein Grund genug anzunehmen, dass unser Körper nur schwer damit umgehen kann?


Von Philip May - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link
Von Philip MayEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Ein Rechenfehler stößt die Diskussion wieder an

Die Diskussion über den Infraschall aus Windkraftanlagen gerät aktuell wieder in Fahrt, weil eine deutsche Regierungsbehörde einen Rechenfehler zugeben musste: Das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hatte in einer Datenerhebung aus 2004 den Schalldruck zu hoch eingestuft, in Wirklichkeit liegt er deutlich niedriger. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier entschuldigte sich offiziell für diesen Fehler, den sein Ministerium indirekt zu verantworten hat. Windkraftanlagen emittieren also weniger Infraschall als gedacht: Das ist doch eigentlich ein guter Grund zur Entwarnung – sollte man denken!

Von Medizinern ist jetzt aber Gegenteiliges zu hören, sie sehen das Problem eher größer statt kleiner. Zu ihnen gehört Christian-Friedrich Vahl, der bereits viele Jahre an der Universität Mainz als Direktor der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie fungiert. Er leitet auch die Arbeitsgruppe Infraschall an der Mainzer Universität und erforscht gemeinsam mit Kollegen die Wirkung von Schallwellen auf menschliche Gewebe und Organe.


Heute größere Anlagen: Schalldruck steigt, Frequenz sinkt

Vahl sagte gegenüber der WELT AM SONNTAG wörtlich: »Offenbar ist Windkraft schon bei niedrigeren Schalldrucken gefährlicher als bisher angenommen.« Und: »Nach der BGR-Korrektur werden die Beschwerden der Betroffenen nicht mehr im Bereich von größer 90 Dezibel geäußert, sondern bereits im Bereich zwischen 60 und 70 Dezibel.« Die heutigen Windkraftanlagen seien zudem deutlich größer dimensioniert als ihre Vorgänger vor 17 Jahren. Das mache weitere medizinische Untersuchungen umso dringlicher, denn der Schalldruck ist dadurch gestiegen, während die Frequenzen sanken. Niedrigere Frequenzen aber, so Vahl, bedeuten wahrscheinlich ein höheres Risiko für die menschliche Gesundheit.

Den Mindestabstand zur Wohnbebauung zu verringern, wie es nun Windkraftfreunde fordern, wäre somit ein Schritt in die falsche Richtung: »Die Korrektur der BGR ändert nicht die grundsätzlichen Stresswirkungen von Infraschall, die auf verschiedenen Ebenen des Organismus gefunden wurden.«

Quelle: welt.de

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