Lange Zeit war der britische Premierminister Boris Johnson ein glühender Verfechter des sogenannten Frackings. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck unter die Erde gepumpt. Das Ziel: Gesteinsformationen aufbrechen und die darin liegenden Erdgas- und Erdölvorkommen ausbeuten. Doch die Technik ist keineswegs unumstritten. Denn Kritiker befürchten zum einen die Verunreinigung des Grundwassers. Zum anderen können durch die massiven Bohrungen aber auch Erdbeben ausgelöst werden. Grundsätzlich war dies auch schon im Jahr 2012 bekannt. Dennoch schrieb Johnson damals in der britischen Tageszeitung „The Telegraph“ einen flammenden Appell für die unkonventionelle Gasförderung. Als Premierminister scheint er seine Meinung nun geändert zu haben: Am vergangenen Samstag stoppte er sämtliche Fracking-Bohrungen in Großbritannien.


Fracking
Foto: Fracking; Urheber Ostroff Law CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Die Grenzwerte wurden wiederholt überschritten

Relevant ist diese Entscheidung allerdings nur für England. Denn in Wales, Schottland und Nordirland wurden bereits entsprechende Verbote oder Moratorien verhängt. In England hingegen betrieb unter anderem die Firma Cuadrilla Resources Limited eine entsprechende Bohrung. Dabei kam es allerdings wiederholt zu Problemen. Ein erster Versuch in Nordengland im Jahr 2011 musste daher abgebrochen werden, weil zu starke Erdbeben ausgelöst wurden. Ganz vermeiden lässt sich dies beim Fracking nie. Damit aber dadurch weder Menschen noch Gebäude gefährdet werden, wurden bestimmte Grenzwerte festgelegt. In Großbritannien bedeutet dies: Wird ein Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 0,5 ausgelöst, muss die Bohrung unterbrochen werden bis sich der Boden wieder beruhigt hat. Bei neuen Bohrungen im Jahr 2018 wurde dieser Grenzwert sogar sechsmal überschritten, sodass die britische Regierung einen dauerhaften Stopp verfügte.

Das Potential des Ansatzes ist umstritten

Anschließend werteten Experten der Oil and Gas Authority alle verfügbaren Daten aus und kam zu dem Schluss: Bohrungen in der fraglichen Region in Nordengland könnten Beben mit einer Stärke von bis zu 4,5 auslösen. Zwar ist ein solches Szenario eher unwahrscheinlich. Dennoch war das Risiko damit für Johnson wohl zu groß. Zumal sich das Land auf Neuwahlen vorbereitet und der Premierminister im Wahlkampf keine Negativ-Schlagzeilen über von Menschen ausgelöste Erdbeben gebrauchen kann. Langfristig hält sich die Regierung die Option des Frackings aber auch weiterhin offen. So betont Energieministerin Andrea Leadsom das „riesige Potential“ der Technologie. Wie groß dieses ist, ist allerdings umstritten. Ursprünglich kamen Studien zu dem Ergebnis, dass unter der Erde Großbritanniens genug Schiefergas liegt, um das Land fünfzig Jahre lang komplett zu versorgen. Neuere Untersuchungen gehen aber eher von fünf bis sieben Jahren aus.


Via: The Guardian

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