Moderne Medizintechnik bringt vielen Menschen mit Einschränkungen wieder ein Stück Lebensqualität zurück. So schreiten nicht nur die Entwicklungen intelligenter und leistungsfähiger Arm- und Beinprothesen voran, sondern auch die Forschungen im Bereich der Innenohr-Implantate. Wenn die herkömmlichen Hörgeräte versagen, können Cochlea-Prothesen weiterhelfen. In Deutschland wurden bisher zwischen 30.000 und 40.000 Implantate eingesetzt.


Ohr

Nach der OP folgen Reha-Maßnahmen und Hörübungen

Roland Zeh ertaubte im Alter von sieben Jahren. 30 Jahre später, im Jahr 1998, erhielt der Mediziner das erste Innenohr-Implantat. Gegenüber der Welt schilderte Zeh seinen Eindruck nach 30 Jahren Taubheit wieder etwas hören zu können. „Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, fast schon eine Reizüberflutung, aber im positiven Sinne“, berichtet Zeh. „Nach einer kurzen Gewöhnungszeit hörte sich das CI dann sehr angenehm und natürlich an.“ Vier Jahre nach dem erfolgreichen Eingriff wurde auch das zweite Ohr mit einem Implantat versehen. Es handelt sich bei dem Cochlea-Implantat um eine Prothese für das Innenohr, die durch einen am Außenohr anliegenden Sprachprozessor ergänzt wird. Der Prozessor fängt akustische Signale über ein Mikrofon ein und wandelt diese in elektrische Signale um. Die umgewandelten Signale werden wiederum an Elektrodenträger, die an der Hörschnecke im Innenohr platziert wurden, über eine Spule weitergeleitet. Durch dieses Verfahren erfolgt eine Stimulierung des Hörnervs, die folglich einen Höreindruck im Gehirn entstehen lässt.


Roland Zeh, der Präsident der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft (DCIG), betont, dass er nach der Operation wieder lernen musste verschiedene Geräusche zu unterscheiden. Menschen, die ein Innenohr-Implantat erhalten müssen im Anschluss über einen längeren Zeitraum verschiedenen Hörübungen durchführen um Sprache wieder verstehen und beispielsweise auch telefonieren zu können. Die Dauer der Trainingsphase variiert von Mensch zu Mensch. Knapp 20.000 Euro kostet ein Cochlea-Implantat-System. Die Kosten für die Reha-Maßnahmen und das Hörtraining kommen, sofern die Krankenkasse die Posten nicht übernimmt, noch dazu. Eine Kostenübernahme wird dann abgelehnt, wenn die Patienten auch mit einem Hörgerät eine normale Lautsprache wahrgenommen werden könnte. Ein Großteil der hochgradig schwerhörigen Patienten kann noch tiefe Töne verstehen. Hier wird oftmals auf eine Kombination aus Implantat und Hörgerät gesetzt. „Das CI macht dann die hohen Töne, die für das Sprachverstehen wichtig sind, hörbar“, so Zeh weiter.

Innenohr-Implantat
Innenohr und CI-Plantat via DCIG-Informationsbroschüre

Das CI-Implantat kann kein intaktes Ohr ersetzen

CI-Implantate können auch bei Kindern eingesetzt werden. Bisher herrscht hier jedoch Uneinigkeit im Hinblick auf den richtigen Zeitpunkt. Die Experten empfehlen in jedem Fall jedoch den Kindern zusätzlich die Gebärdensprache beizubringen. „Kindern sollte die Möglichkeit zum Hören nicht vorenthalten werden.“, betont Roland Zeh. Dank des CI-Implantats können viele Kinder eine normale Schule besuchen und hätten somit auch im späteren Verlauf der Entwicklungen mehr Möglichkeiten bei der Berufswahl. Wurde der Hörnerv jedoch im Mutterleib nicht ausgebildet, kann auch das CI-Implantat nicht weiterhelfen.

Insgesamt müssen bei dem Einsatz des CI-Implantats jedoch auch weitere Abstriche in Kauf genommen werden. Gesunde Ohren können durch die fortschrittliche Medizintechnik bisher noch nicht ersetzt werden. Den Experten nach ist der Weg bis zum perfekten Implantat noch lang.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.