Die Mathematik gilt unter Forschern gewissermaßen als Königsdisziplin der Tierwelt. Denn selbst für einfach erscheinende Rechenaufgaben müssen auf zwei Ebenen Informationen verarbeitet werden. Zum einen ist die Ausgangsmenge korrekt zu erfassen. In diesem Punkt war schon länger bekannt, dass Bienen über solche Fähigkeiten verfügen. Sie können sogar nicht nur Mengenunterschiede wahrnehmen, sondern kennen sogar die Zahl Null. Um mit den Mengen aber auch addieren oder substrahieren zu können, müssen auf einer zweiten Ebene auch die dahinter stehenden Regeln zur Anwendung gebracht werden. Australische Forscher haben nun erstmals nachgewiesen, dass Honigbienen genau dazu in der Lage sind. Sie sind damit die erste Insektenart, bei denen entsprechende Fähigkeiten festgestellt wurden. Zuvor waren mathematische Leistungen lediglich von einigen Wirbeltieren bekannt.


Eine Honigbiene entfernt sich von einer Blüte

Die Bienen ordneten Farben jeweils die korrekte Rechenoperation zu

Natürlich können Bienen aber nicht einfach einen Mathe-Test ausfüllen, um zu zeigen, dass sie addieren und substrahieren können. Stattdessen ließen sich die Forscher einen intelligenten Versuchsaufbau einfallen. Sie bauten eine Art Labyrinth mit mehreren Türen. Auf der ersten Tür war jeweils eine bestimmte Anzahl an Quadraten zu sehen. Diese waren entweder Blau oder Gelb. Blaue Quadrate standen dabei für +1 und gelbe Quadrate für -1. Hinter der ersten Tür befanden sich dann jeweils zwei Türen. Nur auf einer davon war das korrekte Ergebnis zu sehen. Flogen die Bienen diese Tür an erhielten sie eine Belohnung in Form von Zuckerwasser. Zu Beginn wählten die Tiere die Türen noch rein zufällig aus, schon bald wurde aber eine klare Tendenz sichtbar. Nach 100 Flügen kam es schließlich zum Abschlusstest. Hier entschieden sich die Bienen in 60 bis 70 Prozent der Fälle für die richtige Tür.


Weitere Fragen sind noch zu klären

Dies klingt auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckend, liegt aber signifikant oberhalb der Grenze zum reinen Zufall. Damit wurde nachgewiesen: Honigbienen können tatsächlich rechnen. Für ihr Leben in der freien Natur dürfte diese Fähigkeit zunächst einmal nicht besonders hilfreich sein. Von Bedeutung ist aber die grundlegende Tatsache, dass die Tiere in der Lage sind, sich bestimmte Regeln zu merken. So ist es wahrscheinlich, dass Bienen Blüten im Vorfeld genau anschauen und nach Merkmalen suchen, die in der Regel für besonders viel Nektar stehen. Die an dem Versuch beteiligten Wissenschaftler wollen das Thema zudem weiter erforschen. Unter anderem wäre noch zu klären, wie die Bienen mit ihren kleinen Gehirnen überhaupt zu solch komplexen Operationen fähig sind.

Via: Phys.org

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