Die Nachricht klingt zunächst wie eine Satiremeldung, hat aber einen ernsten Hintergrund: Die EU-Kommission hat eine Liste mit 37 Tier- und Pflanzenarten veröffentlicht, deren Verbreitung in Europa verhindert oder zumindest eingedämmt werden soll. Dabei handelt es sich um sogenannte invasive fremde Arten. Oder anders ausgedrückt: Um Tier- und Pflanzenarten, die auf dem europäischen Kontinent nicht heimisch sind – sich im Zuge der Globalisierung aber doch hier angesiedelt haben. Ein bekanntes Beispiel für dieses Phänomen sind etwa die Papageienvögel, die einst vermutlich für den heimischen Käfig importiert wurden, dann aber ausbüxten und inzwischen beispielsweise in Kölner und Düsseldorfer Parks eine neue Heimat gefunden haben.


Foto: Quartl, Creative Commons 3.0, via Wikimedia Commons
Foto: Quartl, Creative Commons 3.0, via Wikimedia Commons

Jährlich entstehen Kosten von rund zwölf Milliarden Euro

Während die Papageienschwärme ein eher harmloses Phänomen sind, können invasive Arten allerdings auch erhebliche Schäden anrichten. Denn in der Regel besitzen sie hierzulande keine natürlichen Feinde und können sich so ungehindert ausbreiten. Heimische Tiere und Pflanzen werden so von den Neuankömmlingen vertrieben – was eine enorme Reduzierung der Artenvielfalt zur Folge haben kann. Die EU-Kommission schätzt die dadurch entstehenden Kosten auf rund zwölf Millionen Euro jährlich. Bereits im Jahr 2014 wurde daher eine Verordnung erlassen, die den Import und die Zucht der entsprechenden Arten unterbinden soll. Diese Verordnung wurde nun durch die veröffentlichte Liste konkretisiert und ergänzt. Die Regelungen gelten dabei sowohl für Privatbesitzer, als auch beispielsweise für Zoos und Tierparks.

In Deutschland ist vor allem der Waschbär betroffen

In Deutschland dürfte von der Neuregelung vor allem der Waschbär betroffen sein. Dieser wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gebracht und lebte zunächst vor allem in Pelzfarmen. Anschließend siedelte er sich aber auch in der freien Natur an und bedroht teilweise einheimische Tiere wie den Kiebitz, den Rotmilan oder verschiedene Amphibien. In zahlreichen Bundesländern wurde er daher bereits in das Jagdrecht aufgenommen – die Population wird also von Jägern kontrolliert. Eine vollständige Ausrottung des Waschbären ist aber auch nach der neuen EU-Verordnung nicht zu erwarten. Vielmehr sollen zukünftig keine weiteren Waschbären mehr nach Europa gebracht werden, um die Ausbreitung nicht weiter zu beschleunigen.


Vollständige Liste der betroffenen Tier- und Pflanzenarten (PDF)

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