Seit 1986 existiert ein internationales Moratorium, das den Walfang zu kommerziellen Zwecken untersagt. Die Übereinkunft blieb aber von Beginn an unvollendet, weil sich mit Island und Norwegen zwei der größten Walfang-Nationen nicht an das Verbot gebunden fühlten. Japan wiederum spielte eine Art Doppelrolle. Offiziell blieb das Land in der Internationalen Walfangkommission und hielt sich an das Moratorium. Allerdings nutzte die Regierung auch immer wieder eine Lücke in dem Abkommen und jagte Wale zu „wissenschaftlichen Zwecken“. Die durch die Forschungsarbeiten gewonnenen Erkenntnisse blieben überschaubar, das Fleisch der Tiere wurde aber anschließend vermarktet. Nun hat Japan auch offiziell den Bruch vollzogen: Das Land kündigte an, die Walfangkommission zu verlassen und den kommerziellen Fang wieder aufzunehmen.


Foto: Gabriel Barathieu [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Drei Gründe sprechen gegen den kommerziellen Walfang

Der Grund dafür dürfte vor allem in einer Abstimmung auf der letzten Jahrestagung der Kommission im September zu finden sein. Dort hatte Japan einen Antrag auf Beendigung des Moratoriums eingebracht, der von der Mehrheit der Mitgliedsstaaten allerdings abgelehnt wurde. Scharfe Kritik an der nun getroffenen Entscheidung des Landes übte die Tierschutzorganisation WWF. Gegenüber dem ZDF verwies Expertin Heike Vesper vor allem auf drei kritische Punkte:

1. Die Reproduktionsrate der Säugetiere ist zu gering, um die Folgen einer intensiven menschlichen Jagd ausgleichen zu können.


2. Weil die Tiere im Laufe des Jahres enorme Strecken zurücklegen, wären von einem Rückgang der Population zahlreiche Ökosysteme betroffen.

3. Die Jagd ist grausam. Anders als etwa Wildschweine im Wald sterben die Tiere nicht direkt mit dem ersten Treffer, sondern verbluten teilweise erst extrem langsam.

Die Auswirkungen lassen sich noch schwer abschätzen

Dennoch könnte die jetzt von der japanischen Regierung verkündete Entscheidung am aktuellen Zustand zunächst einmal gar nicht so viel ändern. Denn das Land hat sich gewissermaßen selbst Regeln auferlegt. So soll der Walfang ausschließlich in den Gewässern rund um die eigenen Inseln stattfinden. Gebiete in der Arktis sollen hingegen beispielsweise nicht angesteuert werden. Es könnte also sein, dass sich die Zahl der getöteten Wale gar nicht groß erhöht – nur dass diese nun auch offiziell zu kommerziellen Zwecken gejagt werden. Langfristig sind selbst auferlegte Beschränkungen allerdings oftmals deutlich weniger wirksam als internationale Verbote. Oder anders ausgedrückt: Es steht zu befürchten, dass der nun vollzogene Schritt nur den Anfang einer vollständigen Rückkehr zum kommerziellen Walfang darstellt.

Via: BBC

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