Es geht um eine gewaltige Zahl: 228 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Auf diese Summe belaufen sich die jährlichen Verluste im Stromnetz der Stadt München. Rein rechnerisch ließen sich damit 63.000 Drei-Personenhaushalte versorgen – also rund ein Achtel der Münchener Bevölkerung. Allerdings ist diese Verlustenergie kein exklusives Problem der bayerischen Hauptstadt. Vielmehr ist ein gewisser Energieverlust beim Stromtransport rein physikalisch bedingt. Jeder dürfte beispielsweise schon einmal bemerkt haben, dass sich das Smartphone-Ladegerät während des Ladevorgangs erwärmt. Hier geht Energie in Form von Wärme verloren. Es fließt also mehr Strom aus der Steckdose als auf dem Handy ankommt. Den selben Effekt gibt es auch bei den bisher verwendeten Kabeln der städtischen Stromnetze. Diese erwärmen sich durch den Stromtransport teilweise auf bis zu achtzig Grad Celsius.


Stromtransport bringt immer Energieverluste mit sich (Symbolbild) Bild: Michael Kauffmann (Own work) [CC BY 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Der Supraleiter arbeitet bei minus 200 Grad Celsius

Die Stadtwerke München und insgesamt fünf Partner aus Industrie und Wissenschaft arbeiten nun allerdings an einem millionenschweren Modellprojekt. Das Ziel: Zumindest im städtischen Hochspannungsnetz, wo der Strom mit 110.000 Volt fließt, soll die Verlustenergie massiv reduziert werden. Möglich ist dies durch Hochtemperatur-Supraleiter. Dabei handelt es sich um keramische Leitungen, die von flüssigem Stickstoff umspült und so heruntergekühlt werden. Selbst der Hochtemperatur-Supraleiter arbeitet daher bei Temperaturen von minus 200 Grad Celsius. Die Kälte hat auch durchaus ihren Sinn. Sie sorgt dafür, dass der Widerstand in den Leitungen extrem gering ist, wodurch der Strom beinahe ungehindert fließen kann. Die Folge: Es entsteht weniger Wärme und es wird nicht so viel Energie verbraucht. Erstmals zum Einsatz gebracht werden soll die Technologie auf einer zwölf Kilometer langen Teststrecke zwischen Menzing und München-Süd.

Die geplante Distanz ist eine Herausforderung

Allerdings können die Bauarbeiten noch nicht sofort beginnen. Denn bisher gibt es den gewünschten Supraleiter in dieser Form noch gar nicht. In Essen wurde der Ansatz zwar bereits erfolgreich erprobt. Dort allerdings lediglich auf einer Strecke von einem Kilometer. Auf einer zwölfmal so langen Distanz werden aber unter anderem noch Zwischenkühlstationen benötigt, um die Temperatur konstant niedrig zu halten. Diese und andere Herausforderungen wollen die Beteiligten aber innerhalb der nächsten Monate lösen, sodass dann schon im nächsten Jahr mit dem Umbau der Teststrecke begonnen werden kann. Läuft alles nach Plan, könnten auf den zwölf Kilometern schließlich zwischen dreißig und fünfzig Prozent des bisher anfallenden Stromverlustes vermieden werden. Dies alleine wären schon mehrere Millionen Kilowattstunden. Auf das ganze Netz ausgedehnt, bieten Supraleiter zudem noch ein viel größeres Potential.


Via: Sueddeutsche Zeitung

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