Der Kampf gegen die globale Armut ist ein nobles Ziel. Unter Umständen beißt sich dieser Kampf aber mit einer anderen Baustelle der modernen Zivilisation: Dem Kampf gegen den Klimawandel. Eine Studie fand heraus, dass es deutlich mehr CO2-Emissionen verursachen würde, die Ärmsten der Armen auf der Welt aus der Armut herauszuholen. Dies würde wiederum den Bemühungen entgegenstehen, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten.


Geld führt zu höheren CO2-Emissionen

In Entwicklungsländern leben etwa 20 Prozent der Menschen von weniger als 1,90 US-Dollar am Tag. Daraus resultiert ein Mangel an Wasser und Nahrung und schlechter Zugang zu Bildung. Am schlimmsten dran sind die Menschen in Südasien und in Subsahara-Afrika. Im Jahr 2014 einigten sich die Vereinten Nationen auf eine Liste von Entwicklungszielen. Das wichtigste davon ist, die globale Armut zu besiegen – und zwar bis zum Jahr 2030. Ein Jahr später setzte die United Nations Framework Convention on Climate Change das Ziel, die globale Erwärmung auf 2 Grad über dem Wert vor dem industriellen Zeitalter zu begrenzen.


Klaus Hubacek und seine Kollegen von der University of Maryland in College Park haben sich gefragt, ob diese zwei Ziele sich unter einen Hut bringen lassen. Wenn Menschen mehr Geld zur verfügung haben, geben sie logischerweise auch mehr Geld aus. Und im modernen Kapitalismus geht das Ausgeben von Geld auch zumeist mit CO2-Emissionen einher.

Die Forscher arbeiteten mit zwei Modellen. In einem davon wurden die ärmsten Menschen weltweit aus der extremen Armut gebracht, in dem anderen wurden sie in den Mittelstand erhoben. Anschließend berechneten sie den CO2-Fußabdruck dieser Maßnahmen.

Der Kampf gegen die Armut schadet dem Klima

Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass der Kampf gegen Armut den Kampf gegen den Klimawandel schwerer machen könnte. Im ersten Modell sind die Ergebnisse noch relativ gemäßigt: Durch die Abschaffung der extremen Armut entstünde eine zusätzliche Erwärmung von nur 0,05 Grad Celsius. Würde man aber alle Menschen mindestens auf dem Niveau der globalen Mittelklasse (2,97 US-Dollar pro Tag) haben wollen, würde dies in einer zusätzlichen Erwärmung von 0,6 Grad Celsius bis 2100 resultieren.

Wie gut sich der Kampf gegen Armut mit dem gegen Klimawandel verträgt, hängt also maßgeblich davon ab, welches Einkommensniveau wir als angemessen erachten. „If we’re really trying to consider getting people not just out of extreme poverty, but into the middle class, then maybe we do have more of a challenge“, so Steve Davin von der University of California, Irvine, der an der Studie nicht beteiligt war.

Technologischer Fortschritt erleichtert die Sache

Wenn jeder Mensch auf der Welt mindestens Teil der globalen Mittelklasse sein sollte, müssten wir unsere Bemühungen gegen den Klimawandel um 27 Prozent erhöhen. Aber selbst Länder wie Schweden konnten nur etwas über 4 Prozent an CO2-Emissions-Rückgang erzeugen.

Allerdings spielt uns die technische Entwicklung in die Hände. Erneuerbare Energien werden immer günstiger, und auch sonst arbeitet die Menschheit fieberhaft an Technologien, mit denen CO2-Emissionen gesenkt werden können. Bis dahin, so Hubacek und Kollegen, sollten die Menschen ihren Lebensstil überarbeiten, um so Raum für den Kampf gegen die Armut zu schaffen, ohne dass wir den Kampf gegen den Klimawandel aufgeben müssen.

 

via Science

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