Es hört einfach nicht auf: Immer wieder wehren sich Menschen gegen den Einsatz des Pestizids Glyphosat. Die EU hat die Zulassung des umstrittenen Mittels um fünf Jahre verlängert und auch Frankreich wünscht aktuell kein Verbot. Ein französisches Elternpaar sieht für sich nun keinen anderen Weg mehr, als vor Gericht zu ziehen, weil ihr Sohn direkt betroffen ist.


Der kleine Théo musste 53 Operationen über sich ergehen lassen

Sabine Grataloup behandelte vor etwa 12 Jahren einen Reitplatz ausführlich mit Glyphosat. Sie freute sich daran, endlich kein wild wucherndes Grün mehr rupfen zu müssen und fühlte sich keinesfalls in Gefahr. Kurz darauf erfuhr die Französin, dass sie schwanger war, und brachte Monate später ihren Sohn Théo zur Welt. Der Schock saß tief: Die Speiseröhre des Jungen mündete in der Luftröhre, das Kind konnte weder selbständig essen noch atmen! 53 Operationen folgten, die junge Familie litt Höllenqualen. Eines stellten die Ärzte sehr schnell klar: Bei der Missbildung handelte es sich um keinen Gendefekt, hier waren äußere Einflüsse schuld. Doch es dauerte eine ganze Weile, bis Sabine die scheinbar so unbedeutende »Unkrautbehandlung« des Reitplatzes wieder einfiel! Kurz darauf schien die Sache klar.


Sabine Grataloup wollte Monsanto vor Glyphosat warnen

Der Embryo im Leib der werdenden Mutter bildete gerade Luft- und Speiseröhre, als Sabine völlig ahnungslos zum Glyphosat griff. Nachdem ihr diese offensichtliche Verbindung rückwirkend klar wurde, versuchte sie sogar Monsanto zu warnen, weil sie den Konzern für ebenso nichtswissend hielt. Dann tauchte allerdings ein Bericht in der Zeitschrift Le Monde aus, der belegen sollte, dass Monsanto Forscher bezahlte, um Glyphosat in der Öffentlichkeit positiv darzustellen. Die Familie entschied sich, das Chemie-Unternehmen zu verklagen und 30.000 Euro Schmerzensgeld zu fordern. Mit dieser Summe geben sich die Grataloups überraschend bescheiden, doch geht es ihnen vor allem darum, vor Gericht die Schädlichkeit des Pestizids endgültig zu beweisen.

Théo ist heute 11 Jahre alt, er atmet durch ein Loch in seiner Kehle und darf weder Schwimmen noch an Langstreckenläufen teilnehmen. Seine Stimme klingt blechern, aber immerhin führt er sonst ein normales Leben.

Quelle: deutschlandfunk.de

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