Die Vereinten Nationen planen einen Onlineshop für den Handel mit Emissionsrechten. Dieser soll sich an Firmen und Privatpersonen richten. Die Arbeiten am “The United Nations Climate Credit Store” laufen auf Hochtouren, bereits nächste Woche soll die Plattform vorgestellt werden.


Erderwärmung
Foto: Global Warming. The Earth became the newest Waterworld., Andrea Della Adriano, Flickr, CC BY-SA 2.0

Was sind Emissionsrechte?

Beim Emissionsrechtshandel handelt es sich um ein Instrument der Umweltpolitik, das es sich zum Ziel gemacht hat, den weltweiten Schadstoffausstoß zu verringern. Die Idee stammt aus dem Jahr 1966 und geht auf Thomas Crocker zurück, einen Ökonomie-Doktoranden an der University of Wisconsin–Milwaukee. John Harkness Dales nahm die Idee 1968 in seinem Buch Pollution, Property and Prices auf und schlug vor, einen Markt für Verschmutzungsrechte zu erschaffen.

Im Prinzip wird für eine bestimmte Gegend eine Obergrenze für Schadstoffemissionen pro Jahr festgelegt. Innerhalb dieser Grenze werden dann Zertifikate ausgegeben, die sozusagen zur Verschmutzung berechtigen. Die Preise für die Zertifikate sind frei handelbar, Emissionen ohne Zertifikat werden mit Geldstrafen geahndet. Die Zertifikate werden entweder durch die Regierung ausgegeben oder versteigert.


Das System des Emissionsrechtehandels schafft Anreize für Unternehmen, den Emissionsaustoß zu senken. Denn nicht genutzte Emissionsrechte können verkauft werden. Unterm Strich können damit Betriebe, für die es verhältnismäßig kostengünstig ist, die Emissionen zu senken, anderen Betrieben, für die es sehr teuer wäre, die Reduzierung des Schadstoffausstoßes abnehmen. Somit können angestrebte Emissionsreduzierungen sehr kostengünstig erreicht werden. Der Gesamtausstoß lässt sich steuern, indem niedrigere Grenzwerte für eine Region festgelegt werden.

In der Praxis existieren mehrere Systeme für den Emissionshandel. Innerhalb der Europäischen Union wird seit 2005 mit dem EU-Emissionsrechtehandel versucht, die Vorgaben des Kyoto-Protokolls einzuhalten. In den USA hat sich vor allem der Chicago Climate Exchange (CCX) etabliert. Auch in Neuseeland gibt es ein entsprechendes Modell.

Emissionshandel über das Internet

Das Projekt der Vereinten Nationen möchte den Emissionshandel weltweit so einfach gestalten wie das Einkaufen im Internet. Deshalb hat es von der Presse auch den Spitznamen “Amazon für Umweltverschmutzer” bekommen.

Der Shop soll weltweit verfügbar sein und sogar auf Handys funktionieren. Und für Privatpersonen zugänglich sein. Die Theorie: Nach einem Flug von A nach B kann eine Privatperson mit dem Handy auf den Store zugreifen und ein Zertifikat erwerben, dass den Flug wieder aufwiegt. Solche Möglichkeiten gibt es für jedermann: “Es ist egal, ob man eine Privatperson, eine kleine Firma, eine große Firma, eine Stadt oder eine Regierung ist”, so Niclas Svenningsen, der für die UN das Konzept entwickelt hat. Die Bezahlung läuft anschließend über Kreditkarte oder Paypal.

Kritik von Umweltschützern

Doch das Konzept der UN stößt nicht nur auf Gegenliebe. Umweltschützer zweifeln daran, dass die Idee wirklich klimaneutral ist. Unter anderem wurden Emissionszertifikate auch für Kohlekraftwerke ausgegeben, solange sie effiziente Technologie nutzen. Selbst Chemiefirmen, die absichtlich CO2 erzeugten, um den Ausstoß dann gewinnbringend wieder zu senken. Derartige Projekte werden aber nicht mehr gefördert.

Juliette de Grandpré, Klimaexpertin bei der Umweltstiftung WWF, schätzt, dass rund die Hälfte aller Emissionszertifikate nichts zum Klimaschutz beitragen. “Der Konsument wird da getäuscht. Man sagt ihm, er kann seine Emissionen kompensieren, aber er kompensiert mit heißer Luft. Deshalb sagen wir: Man kann dieses System nicht mehr retten”, so Grandpré.

Der Kunde bestimmt die Effizienz

Die Kunden können im Onlineshop selber wählen, von welchen Projekten sie Zertifikate erwerben. Deshalb müssen sinnvolle Projekte auch als solche erkennbar sein. Nach dem aktuellen Stand muss sich der Kunde sehr gut im Dschungel des Zertifikate-Handels auskennen, um ein sinnvolles Projekt von einem sinnlosen zu unterscheiden.

Die UN möchte die Wahl des Kunden allerdings nicht beeinflussen. “Eine Reduzierung ist für uns eine Reduzierung, egal, woher das Zertifikat stammt. Wir unterscheiden da nicht”, so Svenningsen.

Ob sich der Emmissionsrechtehandel mit Privatpersonen durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die Bemühungen der UN sind zumindest lobenswert und positiv einzuschätzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.