Der Klimaschutz ist eine der großen politischen Herausforderungen unserer Zeit. Dass etwas geschehen muss, darüber besteht weitestgehend Einigkeit. Über das, was geschehen muss, wird diskutiert. Und derweil ergehen wir uns politisch weitestgehend in Untätigkeit. Oder anders: Was wir derzeit tun, ist nicht genug. In der Politik sowie in weiten Teilen der Gesellschaft scheint sich der Gedanke breit gemacht zu haben, dass wir weitermachen können wie bisher und gleichzeitig das Klima schützen. Dem ist nicht so. Eine effektive Klimapolitik wird uns in Zukunft zwangsläufig Opfer abverlangen.


Erderwärmung
Foto: Global Warming. The Earth became the newest Waterworld., Andrea Della Adriano, Flickr, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Klimapolitik auf Sparflamme

Wenn es um Klimapolitik geht, vermittelt die große Koalition derzeit ein wenig den Eindruck, dass sich eigentlich nichts ändern müsse als die eingesetzte Energie. Mit dem fortgesetzten Siegeszug der erneuerbaren Energiequellen wird weitestgehend grüner Strom verwendet, der dann unter anderem die Flotte der Elektroautos versorgt (ein weiterer technologischer Siegeszug). In Häusern wird mit mittels Windkraft gewonnenen Gas geheizt, und auch der Güterverkehr wird weitestgehend elektrisch realisiert. Das Resultat wäre eine klimafreundliche Republik auf der Basis erneuerbarer Energien. Diese rein technische Betrachtungsweise klingt zu illusorisch? Ist sie wahrscheinlich auch.

Tatsächlich stößt etwa die Energiewende immer mehr auf Widerstände. Ein gutes Beispiel sind die zahlreichen – etwas überspitzt ausgedrückt – „Windkraft gerne, aber nicht bei uns“-Bürgerinitiativen gegen die Errichtung von Windparks. Klimaschutz und grünes Bewusstsein schön und gut, aber wenn es darum geht, Zugeständnisse zu machen, wird es schnell zu viel.


Dieses Beispiel soll nun nicht dazu dienen, Bürgerbewegungen gegen Windräder zu verunglimpfen. Vielmehr geht es darum: Ganz ohne Opfer wird es nicht gehen. Das fängt im Großen an: Die Energiewende ist Dreh- und Angelpunkt der deutschen Klimapolitik, wird aber nur schleppend vorangebracht und stößt innerhalb der Bevölkerung auf Widerstand. Und es geht im „Kleinen“ weiter: Flugreisen sind so billig wie nie, und immer mehr Autos verbrauchen immer mehr fossile Brennstoffe. Was passieren kann, wenn man so an Stellschrauben dreht, dass die Bevölkerung Opfer bringen muss, hat man in der Vergangenheit in Frankreich gesehen.

Quo vadis, BRD?

Der Wähler will eine starke Wirtschaft, und er will sich im Staat so frei wie möglich entfalten können. Opfer bringen wollen wenige – und hinzu kommt, dass diejenigen, die wirklich Wert auf Klimaschutz legen, sich von den einstigen Volksparteien nicht mehr ausreichend verstanden fühlen – das zeigt allein schon der Erfolg der Grünen bei der vergangenen Europawahl.

Eine wichtige Frage für die Zukunft wird sein, wie lange ein Konsum zu Preisen möglich ist, die nicht mal annähernd den ökologischen Schaden widerspiegelt, der durch ihn entsteht. Und auch im Verkehrssektor und in der Landwirtschaft sind recht tiefgreifende Veränderungen nötig, um mehr und besseren Klimaschutz zu gewährleisten.

Die Staaten dieser Erde haben sich 2015 in Paris darauf geeinigt, den Klimawandel aktiv zu bekämpfen. Nun ist es fast vier Jahre später, und bisher sind viele Maßnahmen eher kosmetischer Natur. Die nötigen Veränderungen werden vor allem in Industrieländern mit Opfern einhergehen müssen und unpopulär sein. Nötig sind sie wahrscheinlich dennoch.

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