Die großen Schelfeisflächen in der Antarktis sind wichtige Bremser für die großen Eisströme in der Region. Sie verlangsamen den Fluss der Gletscher in die Meere. Die eiskalte Bremse schwächelt aber: So brach 2018 einer der größten jemals beobachteten Eisberge vom Larsen-C-Schelfeis ab. Und auch das zweitgrößte Schelfeis der Antarktis, das Filchner-Ronne-Schelfeis, wurde deutliches Abschmelzen von der Eisunterseite her registriert. Das Ross-Eisschelf jedoch, das größte Schelf der Antarktis, galt bisher als weitgehend stabil. Eine neue Studie deckt nun aber auf, dass dies ein Irrtum sein könnte.


Bild: Stefan Hendricks / AWI

Das Ross-Eisschelf schmilzt schneller als gedacht

Mit etwa 500.000 Quadratkilometer Fläche macht des Ross-Eisschelf etwa 32 Prozent der Eisfläche des gesamten antarktischen Schelfeises aus. Es ist damit das größte Schelfeis der Welt. Bisher ging man auf Basis von Satellitenaufnahmen davon aus, dass die mittlere Abtaurate des Ross-Eisschelfs bei 0,07 bis 0,11 Metern pro Jahr liegt – was relativ wenig ist.

Doch neue Messungen enthüllen, dass diese Annahme fehlerhaft sein könnte. Craig Stewart vom National Institute of Water and Atmospheric Research in Neuseeland hat mit seinem Team für eine Studie den Nordwestes des Ross-Eisschelfs über einen Zeitraum von einem Jahr lang mit Radarschlitten sowie Vier Jahre lang mit unter dem Eis befindlichen Temperatursensoren und Radarinstrumenten überwacht.


Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass das Schelfeis an seiner Eisfront wesentlich deutlicher schmilzt als bisher vermutet. „ Unsere Beobachtungen zeigen ein intensives Abschmelzen der Eisunterseite nahe der Eisfront. Die mittleren Abtauraten liegen dort bei 2,4 bis 7,7 Meter pro Jahr. Jenseits der frontalen 15 Kilometer sind die Abtauraten zwar niedriger, liegen aber noch immer deutlich über dem schelfweiten Durchschnitt von rund 0,1 Meter pro Jahr„, so die Forscher.

Gerade die Region nahe der Ross-Insel im Nordwesten des Eisschelfs gilt als wichtiger Ankerpunkt der Eismasse. Dort reicht die Schmelzzone sehr tief in das Schelf hinein. „ Insgesamt gehen in dem nur 7.782 Quadratkilometer großen Gebiet 9,5 Gigatonnen Eis pro Jahr verloren. Das repräsentiert 20 Prozent des gesamten basalen Eisverlusts des Ross-Schelfeises, entspricht aber nur 1,3 Prozent seiner Fläche„, heißt es in der Studie.

Stärkere Auswirkung des Klimawandels wegen unterspülendem Warmwasser

Auf der Suche nach dem Grund für dieses verstärkte Abtauen fiel der Verdacht auf die von der Sonne aufgewärmte Meeresoberfläche. Direkt vor dem Ross-Eisschelf liegt Polynia, ein eisfreies Meeresgebiet. Diese offene Wasserfläche absorbiert die Sonnenwärme und heizt sich auf. Das erwärmte Wasser unterspült dann Teile der Schelfeisfront und führt zu einem verstärkten Abtauen.

Das sonnenerwärmte Oberflächenwasser spielt demnach für die Schelfeise eine größere Rolle als bisher angenommen“, so die Forscher. Demnach ist das Schmelzen der großen Eisfläche auch mehr vom Klimawandel abhängig als bisher angenommen. „ Den Prognosen zufolge soll die Meereis-Konzentrationen im Rossmeer bis zum Jahr 2050 um 56 Prozent abnehmen und auch die eisfreie Periode für diesen Meeresbereich wird sich verlängern. Angesichts dessen ist es wahrscheinlich, dass sich der basale Eisverlust in dieser Region ebenfalls rapide beschleunigen wird„, erläutern die Forscher.

Wenn der wichtige „Eisanker“ des Ross-Schelfeises abbtaut, wird das direkte Auswirkungen auf viele große Gletscher in der Region haben – selbst auf solche, die bis zu 900 Kilometer entfernt liegen, befürchtet das Team weiter.

via University of Cambridge

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