Tauchen am Great Barrier Reef ist nicht mehr so wie früher. Grund dafür ist das Korallensterben, das zum großen Teil vom Klimawandel ausgelöst wird. Während beim Klimawandel noch jeder davon redet, dass man dessen Voranschreiten noch entgegengewirkt werden kann (auch wenn wir uns langsam mal ranhalten müssten), könnte es für die großen Korallenriffe auf der Welt bereits zu spät sein.


Bild: „>Amazing Great Barrier Reef, Sarah Ackermann, Flickr, CC BY-SA 2.0

Tauchen im Ödland

Eine kleine persönliche Anekdote: Als unser Autor 2006 am Great Barrier Reef seinen Tauschschein machte, war er von der dortigen Unterwasserwelt begeistert. Das Wasser war vom Knacken und Knistern erfüllt, das auf die Unmengen von Garnelen hinwies, die das Riff bevölkerten. Große Fischschwärme kreuzten im Wasser, und die Korallen glänzten in vielen Farben.

Wer heute, mehr als 10 Jahre später, das gleiche Riff betaucht, dem bietet sich ein anderes Bild: Die Korallen sind von braunen Algen bedeckt, das Knistern der Garnelen fehlt weitestgehend und auch die Vielfalt an Fischen und anderen Meeresbewohnern hat deutlich abgenommen.


Bis heute gilt das Great Barrier Reef als die größte weltweit größte zusammenhängende Ansammlug von Korallenriffen. Es erstreckt sich über eine derart große Fläche, dass das Riff sogar aus dem Weltraum zu erkennen ist und gehört seit 1981 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Jedes Jahr zieht es etwa zwei Millionen Touristen an.

Aber in den vergangenen Jahrzehnten kam es immer wieder zu Korallenbleichen – die bisher größte, im Jahr 2016, war so gravierend, dass mehr als 90 Prozent des Riffes betroffen waren.

Das Great Barrier Reef ist bedroht

Solche Korallenbleichen mögen zwar verheerende Auswirkungen haben, aber im Normalfall können die Riffe sich von ihnen erholen. Je häufiger es zu derartigen Vorkommnissen kommt, desto schwieriger wird es aber für die Riffe, die Folgen zu kompensieren. Aber das Great Barrier Reef scheint an der Grenze seiner Kapazität zu sein: 2017 blichen zahlreiche Riffe im Zentrum aus, sodass viele von ihnen nur noch zu 25 Prozent mit Korallen bedeckt sind. Bereits heute gelten etwa die Hälfte aller Flachwasserkorallen des Great Barrier Reef als ausgestorben.

Die Gründe für das Korallensterben sind vielfältig. Unter anderem tragen die Treibstoffe der Schiffe, Düngemittel und Pestizide sowie unachtsame Touristen und das von ihnen verwendete Sonnenöl zu dem Phänomen bei. Aber den stärksten Einfluss übt ohne Zweifel der Klimawandel aus.

Klimawandel tötet die Korallen

Die Verbindung zwischen Korallensterben und der globalen Erwärmung ist bereits seit 20 Jahren bekannt. In einer Studie fand der Korallen- und Klimaforscher Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland fest, dass hohe Wassertemperaturen in vielen tropischen Gebieten Korallenbleichen auslösen. Grund dafür ist, dass eine bestimmte, für das Gedeihen von Korallen notwendige Algenart, gegenüber zu hohen Wassertemperaturen eher weniger tolerant sind. Die weltweit steigenden Wassertemperaturen ließen den Korallenbestand in den letzten Jahrzehnten bereits um 30 bis 40 Prozent zurückgehen.

Sobald ein Habitat verloren geht, verliert man alle davon abhängigen Arten„, so Hoegh-Guldberg. Zwar sind die Korallen in tieferem Wasser (ab 40 Meter) oft vor Bleichen geschützt, allerdings finden viele Flachwasserarten dort keine neue Heimat.

Ein weiterer Faktor, der zum Korallensterben beiträgt, ist die Übersäuerung der Meere, die dazu führt, dass die Kalkskelette der Steinkorallen deutlich langsamer wachsen können.

Und das Problem betrifft nicht nur die Riffe selber. Nicht selten fungieren die Korallenansammlungen auch als natürlicher Wellenbrecher, sodass ein Absterben der Riffe mit einer Rückbildung der Küstenregionen verbunden sein kann.

Theoretisch ist es möglich, dass sich Riffe zurückbilden. Allerdings benötigen schnell wachsende Korallenarten dafür etwa 15 Jahre, andere weit länger. Der Abstand zwischen zwei Korallenbleichen am selben Ort ist allerdings inzwischen auf sechs Jahre gesunken.Die Korallen haben somit nicht genug Zeit, um sich zu erholen.

Bereits heute stellt die Situation sich aussichtslos dar

Viele Forscher sehen Maßnahmen zum Klimaschutz als einzige Möglichkeit, das Great Barrier Reef und viele andere Korallenriffe weltweit zu schützen. Die Meeresbiologin Lissa Schindler von der Australian Marine Conservation Society sieht bereits jetzt etwa 70 bis 90 Prozent des weltweiten Korallenbestandes als unrettbar an – darunter auch das Great Barrier Reef. Diese Werte beziehen sich auf einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad, wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen. Aktuell steuern wir allerdings eher auf drei Grad zu. In diesem Fall würde es auf der Welt bald keine Korallen mehr geben. „ Wir stehen an einem Scheideweg. Wenn wir versagen, wird nicht nur das Great Barrier Reef zerstört – sondern sehr wahrscheinlich auch unsere Nahrungs- und Wasserversorgung und viele andere Belange unseres Lebens auf der Erde. Und wir„, warnt Hoegh-Guldberg.

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