Die Luftfahrt gehört zu den größten Quelle für durch Menschen verursachte CO2-Emissionen. Und der harte Preiskampf in der Branche macht es nicht besser. Nun warnt ein Think Tank vor den zu erwartenden negativen Folgen, die sich aus der Entwicklung von Überschall.-Passagierflugzeugen ergeben könnten.


Concorde
Die Concorde brachte Passagiere bis 2003 in 3,5 Stunden von Europa nach New York. Foto: British Airways Concorde, Dean Morley, Flickr, CC BY-SA 2.0

Eine neue Ära des Überschallflugs?

Zu einem der legendärsten Flugzeugen in der zivilen Luftfahrt gehört mit Sicherheit der Überschallflieger Concorde. Der Betrieb des Flugzeugs wurde inzwischen eingestellt, aber die Concorde ist heute in diversen Luftfahrtmuseen auf der Welt ein Thema. Wer mit Überschallgeschwindigkeit von Paris nach New York reisen wollte, der musste einige Kompromisse machen. Beispielsweise waren die Sitze in der recht engen Kabine so eng zusammengepfercht, wie man es heute wahrscheinlich nicht mehr akzeptieren würde. Doch dennoch zahlten Passagiere für den etwa dreistündigen Flug über den Atlantik mehrere Tausend Dollar, und die Flüge mit der Concorde, die von 1976 bis 2003 im Betrieb war, waren immer relativ gut gebucht.

Und die Überschallfliegerei ist in der zivilen Luftfahrt weiterhin ein Thema. Mehrere Unternehmen arbeiten daran, ein neues Überschallflugzeug für den Passagiertransport zu entwickeln. Davon ist nicht jeder begeistert. Der renommierte Think Tank ICCT (International Council on Clean Transportation) warnt in einem Gutachten vor den Folgen, die Überschallflugzeuge für das Klima und auch direkt für die Menschen haben könnten.


Überschallknalls über deutschem Boden

Für ihr Szenario gingen die Umwelt- und Verkehrsexperten des ICCT von 2000 Überschallflugzeugen weltweit aus, die im Jahr 2035 insgesamt 160 Flughäfen ansteuern. Dabei werden Drehpunkte wie der Flughafen London-Heathrow oder der Flughafen von Dubai besonders frequentiert. An diesen beiden Flughäfen rechnen die Experten mit etwa 300 Starts und Landungen pro Tag. Aber auch Orte wie New York, Los Angeles, Bangkok, Singapur und Frankfurt müssten mit vermehrten Aufkommen (etwa 100 Flüge pro Tag) rechnen. Länder wie Irland, Schottland und insbesondere auch Deutschland müssten aufgrund ihrer Lage mit gehäuft auftretenden Überschallknalls rechnen.

Außerdem erwarten die Experten ein Plus von 100 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr, weshalb sie von den potentiellen Herstellern von Überschallflugzeugen fordern, sich heute schon auf Umweltstandards zu einigen. „ Vor einer Weiterentwicklung von Überschall-Flugzeugen sollten die Hersteller sich zunächst zur Einhaltung der bereits existierenden Standards für konventionelle Flugzeuge sowie zu weitergehenden Lärmschutzmaßnahmen verpflichten„, so Dan Rutherford, der die ICCT-Studie leitete.

Die CO2-Emissionen des globalen Luftverkehrs entsprechen bereits heute denen von Deutschland, und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Passagierzahlen wachsen weiter an, bis zur Mitte des Jahrhunderts wird eine Verdreifachung der Emissionen erwartet. Außerdem seien die Auswirkungen von Fluglärm auf die Bevölkerung zweifelsfrei nachgewiesen, so die Autoren weiter.

Für das deutsche Staatsgebiet rechnen die Forscher im Jahr 2035 mit 150 Starts und Landungen pro Tag und dementsprechend vieler Überschallknalls. Angesichts der Tatsache, dass die Flugpreise besonders in der Anfangsphase der neuen Ära des Überschallflugs nicht günstig sein werden, stellt sich die Frage, ob der Luxus weniger, privilegierter Menschen die Nachteile für die Bevölkerung wert ist.

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