Der Klimawandel ist in vollem Gange, auch wenn es in diesem Winter ein paar sehr kalte Tage gab. Weil die Kohlendioxid-Emissionen weiter steigen, ist kein Ende der Erderwärmung in Sicht. Da könnte man doch zu einer radikalen Methode greifen und Aerosole, also sehr kleine Partikel, in gigantischen Mengen in die Erdatmosphäre schleudern. Diese reflektieren das Sonnenlicht. In der Folge sinkt die Temperatur auf der Erde. Dass es funktioniert zeigt der Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991. Er schleuderte er riesige Mengen an Staub und Gasen in die Atmosphäre. Ein Teil des sonst auf die Erdoberfläche fallenden Sonnenlichts wurde dadurch abgeschirmt. Die globalen Durchschnittstemperaturen in der unteren Atmosphäre sanken zeitweise um ein halbes Grad.


Bild: Kiel Earth Institute

Kontinuität über hunderte Jahre wäre nötig

Trotzdem warnt der Biogeochemiker Professor Andreas Oschlies vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Geomar) vor dieser listigen Methode. Einmal gestartet könne man das so genannte Sonnen-Einstrahlungs-Management (Solar Radiation Management, SRM) nicht wieder abstellen. Es müssten immer neue riesige Aerosolmengen in die Atmosphäre geschossen werden. Geschähe das nicht würde sich die Erde sehr schnell wieder aufwärmen. Die Folge wären Naturkatastrophen, die heute noch unvorstellbare Verwüstungen hiterlassen würden. Ein solches Szenario sei keineswegs utopisch, warnt der Forscher: „Niemand kann garantieren, dass die Staatengemeinschaft ein einmal gestartetes Programm über vielleicht 100, 200 Jahre kontinuierlich aufrechterhalten kann.“

Die Temperaturschuld-Falle

Aerosole sind schon nach ein paar Jahren wieder verschwunden. Kohlendioxid bleibt dagegen jahrhundertelang in der Atmosphäre. Um eine nachhaltige Temperatursenkung auf der Erde zu erreichen müsste man also so lange Aerosole in die Atmosphäre schicken, bis der Kohlendioxidgehalt so stark gesunken ist, dass allein dadurch die Temperatur auf dem erreichten Niveau gehalten wird. Nach Berechnungen des Weltklimarates kann das viele Jahrzehnte bis wenige hundert Jahre dauern. „Stoppt man das SRM vorher, tappt man in eine Temperaturschuld-Falle: Innerhalb kürzester Zeit würden die globalen Durchschnittstemperaturen auf das Maß steigen, dass man ohne das SRM gehabt hätte. Der Prozess wäre so schnell, dass er deutliche katastrophalere Auswirkungen nach sich ziehen würde, als die aktuelle Erwärmung ohnehin schon“, sagt Oschlies.


via Geomar

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