Das Thema scheint für den Staatskonzern durchaus wichtig zu sein: Bereits seit einiger Zeit wird jedenfalls massiv mit dem Slogan „Bahnfahren ist Klimaschutz“ geworben. Außerdem wird versprochen: Im Fernverkehr kommt einhundert Prozent Ökostrom zum Einsatz. Beide Aussagen sind grundsätzlich natürlich richtig. Sie verdecken aber auch einen Teil der Wahrheit. Denn schaut man sich den gesamten Stromverbrauch der Deutschen Bahn in Höhe von rund 27,5 Terawattstunden an, liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien lediglich bei 45 Prozent. Dies soll auch in den nächsten Jahren so bleiben: Bis zum Jahr 2020 ist zumindest keine Erhöhung des Anteils nachhaltiger Energieträger geplant. Aus Sicht des Klimaschutzes ist dies ärgerlich. Denn die Bahn besitzt in diesem Bereich ein enormes Potential.


By Johannes Martin Conrad (selbst fotografiert) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Als Vorbild könnten die Niederlande dienen

So ist der Konzern für mehr als fünf Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs verantwortlich. Er befindet sich zudem noch komplett in Staatsbesitz. Entsprechende Vorgaben könnten also recht einfach gemacht und durchgesetzt werden. Wie dies funktionieren kann, zeigt ein Blick in die Niederlande: Dort fahren die Züge schon seit einiger Zeit ausschließlich mit Windenergie. In Deutschland hingegen wird neben den Erneuerbaren Energien auch weiterhin Strom aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken genutzt. Besonders transparent ist die Bahn in diesem Zusammenhang auch nicht. So ist nicht bekannt, wie lange die Lieferverträge für den Strom aus fossilen Brennstoffen überhaupt noch laufen. In diesem oder nächsten Jahr soll zudem das neue Kohlekraftwerk Datteln 4 ans Netz gehen.

Gebrauchsanweisung für die Deutsche Bahn
Preis: 15,00€
Zuletzt aktualisiert am 24.08.2019

Ein Kohleausstieg scheint nicht geplant zu sein

Gebaut wurde die hochmoderne Anlage in erster Linie, um den Strombedarf der Bahn zu decken. Es ist also davon auszugehen, dass bereits langfristige Lieferverträge existieren. Damit ist klar: Selbst einen Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Kohle wird es bei der Bahn erst einmal nicht geben. Dabei gibt es generell gute Gründe dafür. Immerhin: Der eingekaufte Ökostrom wird durch Herkunftsnachweise überprüft. Es handelt sich also nicht um den Strom, den die Verbraucher bereits über das EEG-Gesetz finanziert haben. Diese Vorgehensweise begrüßen Umweltschützer, fordern aber zumindest, den Anteil an Ökostrom in den nächsten Jahren auf mehr als fünfzig Prozent zu erhöhen. Generell gilt zudem: Fahrten mit der Bahn sind tatsächlich klimaschonender als eine Tour mit dem eigenen Auto.


Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.