Jedes Jahr an den Adventswochenenden strömen tausende Einkaufsbummler in die bayerische Stadt Aschaffenburg. Die Straßen und Parkhäuser der Stadt stoßen dadurch an ihre Kapazitätsgrenzen. Nun hat sich der Stadtrat zu einem besonders radikalen Schritt entschieden: Samstags können die Busse und Bahnen in der Stadt zukünftig vollkommen kostenfrei genutzt werden. Diese Regelung gilt sowohl für die Einwohner der Stadt als auch für auswärtige Besucher. Ein Ticket muss allerdings auch weiterhin gelöst werden, es fallen dafür nur keine Kosten an. Diese etwas merkwürdige Regelung wurde getroffen, um zu erfassen, wie viele Menschen tatsächlich das Angebot nutzen. Dies wiederum wirkt sich auf die Ausgleichszahlungen der Stadt an die Verkehrsbetriebe aus.


Bild: OliverZenglein [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

Die Parkhäuser werden im besten Fall etwas leerer

Denn bisher verkaufen die Stadtwerke an Samstagen etwas mehr als 1.000 Fahrkarten. Auf das Jahr hochgerechnet ergeben sich durch das Experiment somit Einnahmeverluste in Höhe von 280.000 Euro. Diese werden aus der Stadtkasse – also von allen Steuerzahlern – ausgeglichen. Der kostenlose Nahverkehr an Samstagen wurde durch den Stadtrat mit einer CSU-Mehrheit ebenso unterstützt wie durch den SPD-Bürgermeister. Interessant ist der Versuch in der bayerischen Stadt vor allem, weil dort die Stadtwerke auch die innerstädtischen Parkhäuser betreiben. Sie können also recht genau beobachten, ob sich durch die Maßnahme die Zahl der Autofahrer tatsächlich reduziert. Kritiker verweisen oft darauf, dass solche Angebote vor allem von Menschen genutzt werden, die sonst mit dem Fahrrad gefahren oder zu Fuß gegangen wären.

Der Einzelhandel soll von der Aktion profitieren

So konnte in Tübingen – wo Busfahrten bereits seit Februar an Samstagen kostenlos sind – zwar beobachtet werden, dass mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Es ließ sich aber nicht nachweisen, dass dadurch die Zahl der Autofahrten gesunken ist. Dies könnte nun in Aschaffenburg gelingen. Die Stadtverwaltung verfolgt mit dem kostenlosen Nahverkehr aber auch noch andere Ziele. So wird dies auch als Werbemaßnahme für das Angebot des ÖPNV verstanden und ist mit der Hoffnung verbunden, dass dadurch auch die Fahrgastzahlen unter der Woche steigen. Außerdem soll der innerstädtische Einzelhandel von den kostenfreien Fahrten profitieren und so im Kampf gegen die Online-Konkurrenz gestärkt werden.


Via: FNP

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