Eigentlich handelt es sich um ein rein bürokratisches Verfahren: Die US Air Force hat die geplanten sicherheitsrelevanten Raketenstarts in den Jahren 2022 bis 2026 ausgeschrieben. Bis Montag hatten interessierte Unternehmen Zeit, ein Angebot einzureichen. Tatsächlich meldeten sich gleich vier private Firmen: Die United Launch Alliance, SpaceX, Blue Origin und Northrop Grumman. Das Problem: Gesucht werden lediglich zwei Unternehmen. Eines soll sechzig Prozent der Flüge abwickeln, das andere die restlichen vierzig Prozent. Weil der Auftrag der Air Force aber extrem lukrativ ist, kämpfen die beteiligten Firmen mit allen Mitteln. So wurde beispielsweise die Lobby-Arbeit bei Politikern in Washington stark ausgebaut. Der eigentlich rein bürokratische Akt könnte so zu einer politischen Entscheidung werden.


Falcon 9 Start
Foto: Falcon 9 Launch 2, Stuart Rankin, Flickr, CC BY-SA 2.0

Der ehemalige Monopolist steht unter starkem Druck

Die Auseinandersetzung wird auch deshalb so verbissen geführt, weil für die einzelnen Unternehmen viel auf dem Spiel steht. So besaß die United Launch Alliance – ein Zusammenschluss von Boeing und Lockheed Martin – lange Zeit ein Monopol für solche Raketenstarts in den Vereinigten Staaten. Inzwischen ist der Druck durch Wettbewerber aber so hoch, dass Experten sogar die Zukunft des Gemeinschaftsunternehmens in Gefahr sehen, sollte es bei der Air-Force-Ausschreibung leer ausgehen. SpaceX wiederum war lange Zeit profitabel und finanzierte die Entwicklungsarbeit vor allem aus eigenen Mitteln. Explodierende Raketen haben in den letzten beiden Jahren aber viel Geld gekostet, sodass die Einnahmen aus dem Air-Force-Auftrag auch hier dringend benötigt würden. Selbiges gilt für Blue Origin, wo bisher Amazon-Boss Jeff Bezos jährlich rund eine Milliarde Euro aus seinem Privatvermögen einbringt.

Klagen der unterlegenen Bewerber können nicht ausgeschlossen werden

Northrop Grumman wiederum hat offen gelassen, ob die Entwicklungsarbeit in diesem Bereich überhaupt fortgeführt wird, sollte man bei der Ausschreibung leer ausgehen. Dies soll vor allem den Druck auf die US-Regierung erhöhen. Denn die Firma liefert wichtige Bauteile für die Interkontinental-Raketen der US-Armee. Weil für die beteiligten Firmen so viel auf dem Spiel steht, dürfen sich die Entscheider bei der Air Force keinen Fehler erlauben. Andernfalls drohen langwierige Klagen, die große Unsicherheit mit sich brächten. Auch deshalb weigert man sich derzeit vermutlich noch, die Bedingungen der Ausschreibung zu ändern: Politiker aus dem Kongress hatten angeregt, die Flüge nicht auf zwei, sondern auf drei Firmen zu verteilen. Auch dann ginge aber noch ein Unternehmen leer aus.


Via: Ars Technica

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1 Kommentar

  1. Björn

    15. August 2019 at 07:17

    25% für jeden. Wenn bei einem was schief läuft, 0,25% an die anderen Firmen.

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