Blutvergiftung
Foto: „Bleeding finger“ Crystal (Crystl) aus Bloomington, USA – Flickr CC BY-SA 2.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

An der Funktionsweise der menschlichen Milz orientiert und folglich dem Aufbau ähnelnd, soll ein neues Gerät schnelle Hilfe nach einer Blutvergiftung versprechen. Die Wirksamkeit der künstlichen Milz ist aktuellen Untersuchungen zufolge sogar effektiver und schneller als bei der Zugabe von Antibiotika. Das neue Gerät eröffnet in Zukunft vielfältige Möglichkeiten, auch im Bereich der Behandlung von Krebs und Autoimmunkrankheiten.


Und so funktioniert die Behandlung mit der künstlichen Milz

An der Harvard-Universität testete Donald Ingber zusammen mit seinem Team die neue künstliche Milz an Ratten. Die Ergebnisse sind verblüffend. So konnten mit dem Gerät 90 Prozent der Krankheitserreger aus dem zuvor infizierten Blut der Ratten entfernt werden. Das Ganze funktioniert mit der Hilfe winziger magnetischer Kügelchen, wie die Experten in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ schreiben. 18 Millionen Menschen erleiden im Jahr eine Blutvergiftung, die in der Fachsprache auch Sepsis genannt wird. Trotz fortschrittlicher Geräte und Maßnahmen und intensiven Behandlungen in den Kliniken, liegt die Sterberate nach wie vor zwischen 30 und 50 Prozent. Diese gravierende Quote veranlasste die Mediziner dazu eine neue Behandlungsart zu entwickeln. Die künstliche Milz könnte dabei einen Durchbruch bedeuten. Das Verfahren gleicht dem der Blutwäsche oder auch Dialyse. Dabei wird der erkrankte Patient an einen externen Blutkreislauf angeschlossen. Das infizierte Blut wird dann durch einen Schlauch geleitet und mit 128 Millionstel Millimeter großen magnetischen Nanokügelchen gemischt.

Die kleinen magnetischen Kügelchen sind mit einer Eiweißschicht bedeckt, die wiederum Kohlenhydrate bindet und somit die Krankheitserreger und weitere Giftstoffe gezielt im Blut ausfindig machen und sich daran festsetzen. Innerhalb der künstlichen Milz wird das infizierte Blut mit einem weiteren Kreislauf verbunden, der wiederum mit einer Kochsalzlösung versehen ist. Hier kommt nun auch der Magnet zum Einsatz. Dieser fischt die mit den Nanokügelchen versehenen Krankheitskeime aus dem Blut heraus und befördert diese in die Kochsalzlösung. Das Blut ist nun gereinigt und fließt zurück in den Blutkreislauf des Patienten. Das Prozedere kann mehrfach wiederholt werden. Somit ist der Reinigungsprozess ziemlich wirksam und auch schnell.


Schneller und effizienter als Antibiotika

Fast 90 Prozent der Tiere überlebten eine Blutvergiftung, nachdem diese an die künstliche Milz angeschlossen wurden. Die zuvor infizierte Dosis an Giftstoffen und Erregern war tödlich.
Bis zu 1,25 Liter Blut können in der Stunde die künstliche Milz durchfließen udn somit gereinigt werden. Der Vorteil liegt bei diesem Verfahren klar auf der Hand. So muss nicht erst ein passendes Antiobiotika gefunden werden. Schließlich ist dafür meist keine Zeit. Zudem werden alle Erreger und Giftstoffe aus dem Blut gefiltert, auch diejenigen, die gegen Antibiotika resistent sind.

Die Zukunft der künstlichen Milz

Die Behandlung nach einer Blutvergiftung mit der künstlichen Milz ist vielversprechend. Den Wissenschaftlern zufolge können durch das neue Verfahren verschiedene Zelltypen aus dem Blut gefiltert werden, so dass auch der Einsatz im Hinblick auf die Behandlung von Krebs und anderen Autoimmunerkrankungen in Betracht gezogen werden kann.

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