In der Geschichte der Menschheit wurde das Alter zumeist chronologisch erfasst. Man zählt also vom Tag der Geburt aus die Jahre aufwärts. Diese Vorgehensweise bringt allerdings einen Nachteil mit sich. Denn es wird nicht berücksichtigt, dass Menschen unterschiedlich schnell altern. Inzwischen hat der Genetiker Steve Horvath aber ein Verfahren entwickelt, mit dem sich das biologische Alter eines Menschen akkurat bestimmen lässt. Das US-Startup Intervene Immune hat nun auf einer Fachkonferenz ziemlich unglaubliche Ergebnisse präsentiert. Demnach ist es dem Unternehmen gelungen, bei insgesamt neun Probanden das biologische Alter im Schnitt um immerhin 18 Monate zu reduzieren. Bezieht man mit ein, dass die Studie insgesamt zwölf Monate dauerte, verjüngten sich die Probanden also um stolze zweieinhalb Jahre.


Alter Mann

Der Thymus ist für die menschliche Immunabwehr von Bedeutung

Die Ergebnisse sind zusätzlich erstaunlich, weil die Studie eigentlich ein anderes Ziel hatte. Denn ursprünglich sollte lediglich das Leben im Alter für die Teilnehmer der Studie gesünder werden. Behandelt wurde daher der Thymus – ein zwischen Herz und Brustbein gelegenes Organ. Zuständig ist er vor allem für die Ausbildung von Immunzellen. Doch schon relativ früh im Leben beginnt das Organ zu verkümmern und es wandelt sich in Fettgewebe um. Die bereits produzierten Immunzellen reichen aus, um einen Schutz bis über das 60. Lebensjahr hinaus zu gewährleisten. Anschließend allerdings steigt die Anfälligkeit für Infekte und Autoimmunerkrankungen. Hier setzten die Forscher an: Mithilfe des Wachstumshormons hGH sollte Thymusgewebe wieder zum wachsen gebracht werden. Zusätzlich bekamen die Probanden die sexualhormonähnliche Substanz DHEA und das Diabetesmittel Metformin. Diese beiden Mittel wurden aber vor allem verabreicht, um die Nebenwirkungen des Wachstumshormons zu bekämpfen.


Die Ergebnisse wurden noch nicht von Fachleuten überprüft

Ein Jahr lang wurden die Teilnehmer dann regelmäßig im MRT untersucht. Zusätzlich analysierten die Forscher auch Blutproben der Probanden. Tatsächlich ließ sich so belegen, dass wieder Thymusgewebe heranwuchs. Auch das Verhältnis von Monozyten zu Leukozyten im Blut veränderte sich deutlich. Als die Forscher dann das biologische Alter ermittelten, erlebten sie eine Überraschung: Es scheint tatsächlich zu einer Verjüngung gekommen zu sein. Noch aber sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Denn zum einen war die Zahl der Teilnehmer an der Studie extrem gering. Zum anderen wurden die Ergebnisse noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht. Dies soll aber noch in diesem Jahr geschehen. Dann sollte sich besser beurteilen lassen, ob hier tatsächlich ein medizinischer Durchbruch gelungen ist.

Via: Zeit

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