Auch als Spitzenpolitiker kann man sich seinen Job nicht immer aussuchen. Japans Regierungschef Shinzo Abe scheint nun aber eine besonders ungewöhnliche Entscheidung getroffen zu haben: Im Rahmen einer größeren Kabinettsumbildung machte er Yoshitaka Sakurada zum neuen Minister für IT-Sicherheit. Der 68-Jährige nahm den Posten auch an, musste nun bei einer Fragestunde im Parlament allerdings einräumen, noch nie selbst einen Computer genutzt zu haben. Seine kuriose Erklärung: Er habe schon mit 25 Jahren sein erstes eigenes Unternehmen gegründet und wenn etwas am Computer zu erledigen sei, mache dies ein Mitarbeiter oder eine Sekretärin. Dies alleine wäre schon ungewöhnlich genug. Schlimmer ist aber die Tatsache, dass Sakurada auch bei vergleichsweise simplen Fragen erstaunliche Wissenslücken aufwies.


Im japanischen Parlament war das Staunen groß. Bild: っ CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/),.

Was ist eigentlich ein USB-Anschluss?

So wurde er von einem Parlamentarier gefragt, ob die japanischen Atomkraftwerke mit USB-Anschlüssen ausgestattet seien. Der Hintergrund: USB-Anschlüsse gelten als hohes Sicherheitsrisiko und sollten daher bei sensiblen Anlagen eigentlich nicht genutzt werden können. Der Minister allerdings konnte die Frage nicht beantworten und lies sogar den Eindruck erkennen, gar nicht genau zu wissen, worum es sich bei einem USB-Anschluss handelt. Immerhin räumte er freimütig ein: „Ich kenne mich mit den Details nicht so genau aus. Wie wäre es also, wenn ein Experte ihre Fragen beantwortet, wenn dies nötig ist?“ Ein Vorschlag der bei den Parlamentsabgeordneten nicht besonders gut ankam. Insbesondere die Oppositionsparteien kritisierten den Minister anschließend scharf und befürchteten sogar, dass Japans Image als Computernation Schaden nehmen könnte.

Bei Olympia drohen massive Kostensteigerungen

„Ich kann nicht glauben, dass eine Person, die noch nie einen Computer genutzt hat, Aufgaben im Bereich der Cybersecurity übernimmt“, erklärte beispielsweise der Abgeordnete Masato Imai. Auch in einem anderen Bereich sieht sich Sakurada aktuell schweren Vorwürfen ausgesetzt. Er ist auch für die Organisation der Olympischen Spiele 2020 in Tokio verantwortlich. In dieser Funktion fiel er bisher vor allem auf, indem er so gut wie alle Fragen der Journalisten an seine Mitarbeiter weitergab. Nun wurde allerdings ein viel größeres Problem bekannt: Der japanische Rechnungshof kritisierte, dass die Kosten für die Spiele von umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro auf über zwanzig Milliarden Euro steigen könnten. Auch in diesem Punkt dürften die Abgeordneten daher bald einige Fragen an den Minister haben.


Via: New York Times

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