Der Main gehört nicht zu den breiteren Wasserstraßen. Vielleicht war er deshalb das geeignete Testgebiet. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ließen ein ganz normales Frachtschiff, die MS Jenny, im Raum Würzburg auf diesem Fluss fahren. Der Schiffsführer ließ sich von neuer Technik entlasten: Einem Assistenzsystem namens Laessi, das am DLR gemeinsam mit der Alberding GmbH und der Fachstelle für Verkehrstechniken der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes unter Leitung der Firma in-innovative navigation GmbH entwickelt worden ist. Es soll Unfälle wie den Ende Dezember verhindern. Da rammte ein Hotelschiff den Pfeiler einer Autobahnbrücke.


Basis ist die genaue Positionsbestimmung

„Das Binnenschiff ist ein umweltfreundlicher und zukunftsträchtiger Verkehrsträger, und mit den neuen Technologien machen wir es zu einem sehr sicheren Transportmittel“, sagt Projektleiter Ralf Ziebold vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation. Basis von Lassi ist eine hochgenaue Positionsbestimmung. Dafür reichen die Koordinaten, die mit Hilfe von satellitengestützten Navigationssystemen ermittelt werden, nicht aus. Die Abweichung vom wirklichen Standort kann zehn Meter betragen. Aus diesem Grund werden die GPS-Daten mit zusätzlichen Informationen angereichert, beispielsweise den aktuellen Wasserständen.

Assistent überprüft die Brückenhöhe

MS Jenny passierte auf der Testfahrt zwölf Brücken. Der elektronische Assistent prüft, lange bevor die nächste Brücke erreicht ist, ob das Schiff hindurchpasst oder ob Steuerhaus und Radarmast abgesenkt werden müssen. Der Bahnführungsassistent, ein weiterer Bestandteil von Laessi, steuert das Schiff selbstständig auf einer Route, die zuvor festgelegt wird. Das klappt, so versichern die DLR-Forscher, auch auf kurvenreichen Flüssen. Der Schiffsführer kann sich dann ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren, was auf dem weniger befahrenen Main allerdings weniger wichtig ist als etwa auf dem Rhein.

Laessi beinhaltet zudem einen Anlegeassistenten. Er hilft dem Schiffsführer, dieses anspruchsvolle Manöver zu meistern. Er teilt ihm beispielsweise in kurzen Abständen die Entfernung des Schiffes von der Kaimauer und von anderen Schiffen mit.

Autonomes Fahren ist das Ziel

„Die zunehmende Automatisierung ist ein wichtiges Thema für die Schifffahrt, denn viele Unfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen“, sagt Ziebold. Pannen wie die des Uber-Autos, das kürzlich einen Menschen überfuhr und tötete, soll es nicht geben. Letztlich soll Laessi allerdings für das autonome Fahren von Binnenschiffen erweitert werden.

 

via DLR

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