Ein Kommentar. Vielleicht täuscht der Eindruck, aber gab es zwischen den Menschen früher nicht mehr körperliche Berührungen als heute? Wo Pärchen heute gebannt nebeneinander auf ihre Displays schauen, hat man da nicht noch vor einiger Zeit stattdessen Händchen gehalten und Küsse ausgetauscht? Eine Untersuchung zeigt: Das Verlangen nach körperlicher Berührung ist erstaunlich groß – und wird selten gestillt!


Von Christopher MichelLuis!, CC BY 2.0, Link

Oxytocin beruhigt und stärkt den Zusammenhalt

Ungefähr 70 % aller Menschen in Deutschland wünschen sich mehr Berührungen von anderen Menschen. Von seinem eigenen Chef will aber niemand berührt werden, so das Ergebnis einer Studie. Schon in der 7. Schwangerschaftswoche, bei einer Größe von nur 1,9 cm, entwickelt der menschliche Embryo ein Berührungsempfinden, der Tastsinn scheint also enorm wichtig zu sein. In den letzten Jahrzehnten haben Hebammen und Ärzte das sogenannte Bonding nach der Geburt wiederentdeckt, den ersten intensiven Körperkontakt zwischen Mutter und Kind, das die beiden emotional fest aneinander bindet. Auch der Papa hat natürlich seinen eigenen Part in dieser wichtigen Phase, häufig bekommt auch er das Neugeborene auf die Brust gelegt oder hält es zumindest eine Weile in den Händen. Beim Bonding schüttet nicht nur das Baby, sondern auch das Elternteil Oxytocin aus, das sogenannte Kuschelhormon. Dieses Hormon besitzt nicht nur eine beruhigende körperliche Wirkung, sondern stärkt auch den sozialen Zusammenhalt.

Auch Schimpansen produzieren das Kuschelhormon

Schimpansen scheiden in ihrem Urin Oxytocin aus, wenn sie kurz vorher mit sozialer Fellpflege beschäftigt waren – aber nur dann, wenn sie dabei ihre Herzensfreunde als Partner hatten. Auch beim Teilen ihres Essens produzieren die Menschenaffen das Hormon, oftmals entstehen dabei neue Verbindungen oder sogar Freundschaften. Berührungen unter Schimpansen können auch vorhandene Spannungen abbauen, Allianzen fördern und das gegenseitige Vertrauen stärken, das fanden Affenforscher heraus. Wenn Menschen miteinander kuscheln oder Affen sich gegenseitig lausen, dann sinkt die Herzfrequenz der Beteiligten, die Muskeln entspannen sich, sogar die Gehirnaktivität beruhigt sich. Auf lange Sicht stärkt regelmäßiger Hautkontakt sogar das Immunsystem, die Abwehrkräfte werden mobilisiert, das vegetative Nervensystem besser geschützt. Vielleicht sollten wir doch mal öfter daran denken, uns gegenseitig in den Arm zu nehmen, und sei es nur für Sekunden!


Quelle: ardmediathek.de

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